No Kangaroos in Austria

 

 

No Kangaroos in Austria - (c) Alfred Rhomberg, Foto

 

Unsere Welt ist ziemlich rund, wenn man von den geringfügigen Erdabflachungen an den beiden Polseiten absieht. Trotzdem kann ich mir auch als naturwissenschaftlich vorgebildeter Mensch noch immer nicht vorstellen, dass die Australier nicht auf dem Kopf stehen. Meine Vorstellungskraft ist sogar so gering, dass ich deswegen extra einmal einen Australienurlaub machte, um diese in der Schule angelernte und nie wirklich verstandene Tatsache zu überprüfen. Erdanziehung hin oder her – sie mag ja stark genug sein, um Menschen, Autos und Kängurus genügend fest an der Eroberfläche zu halten – deswegen wäre es ja trotzdem denkbar, dass sich zumindest die Menschen und Kängurus auf dem Kopf stehend vorkämen (den Autos fehlt dazu vermutlich die nötige Vorstellungskraft). Die Schule hatte  ausnahmsweise recht, ich fühlte mich bei meinem Australientrip nicht auf den Kopf gestellt und selbst das Bier, welches die Australier mindestens ebenso gerne trinken wie die auf der anderen Seite der Erdkugel lebenden Bayern, floss aus den Bierkrügen nicht nach oben (oder unten?) heraus, sondern in die Australier hinein. Ich ertappte mich sogar dabei, mir vorzustellen, bzw. nicht vorstellen zu können, dass die Österreicher ja eigentlich auf dem Kopf stehen müssten.

 

Im Gegensatz zu Nordamerikanern sind sich die Australier dessen bewusst, dass es auf der anderen Seite der Erde das ähnlich klingende Austria gibt. Natürlich wissen die Australier durch eine geschickte österreichische Marketingstrategie auch, dass die Pinguine in Österreich zuhause sind. Ich stimme aber den Innviertler Fremdenverkehrsverbänden mit ihrer Feststellung zu, dass bei dieser Werbelinie vieles fehlt, was eben typisch für Österreich ist, von der Lederhose bis zu den Lipizzanern”, so Hans Christian Fellinger vom Innviertel-Tourismus - ohne Frage errege das Motiv der Pinguine aber jedenfalls Aufmerksamkeit. Es werde jedoch noch viel Informationsarbeit notwendig sein, um den Fremdenverkehrsbetrieben die eigentliche Botschaft mit dem “Endlich.Österreich” nahe zu bringen. Dass Pinguine nicht “typisch österreichisch” sind, sei kein Problem, “denn der Hintergrund ist immer ein österreichisches Motiv”, hieß es bei einer anderen Tourismus-Zentrale. Diese Sichtweise eröffnet völlig neue Werbe-Perspektiven, denn so betrachtet, könnte man auch Kängurus vor einen Wiener Fiaker spannen, in welchem Bundeskanzler Werner Faymann und sein „Vize“ Michael Spindelegger sitzen und über die Zukunft der großen Koalition streiten – was ebenfalls ein österreichisches Motiv wäre, besonders wenn der Fiaker in hüpfenden Bewegungen gerade am Parlament vorbeifährt.

 

Da lobe ich mir schon eine andere Werbeidee des „WienTourismus“ (in Kooperation mit dem Musikkonzern Universal in down under) bei welcher der Holländer André Rieu mit seinem Orchester im Dezember 2008 im Rahmen einer Konzertreihe in Australien für das romantische Wien mit Johann Strauß und anderen österreichischen Komponisten warb. Nachdem Johann Strauß nicht mehr selbst für diese Tournée engagiert werden konnte, Österreich keine nennenswerten Musiker hat und Hansi Hinterseer vermutlich zu teuer ist, musste man halt mit einem Holländer vorlieb nehmen.

 

Die Österreichwerbung macht nur „runde“ Sachen – mich wundert eigentlich, dass es Mozartkugeln noch nicht im klassischen Fußball-look gibt – oder habe ich da etwas übersehen?

 

(2010)

Anm. 2016: Die im Beitrag erwähnten Kanzler und Vizekanzler sind in den letzten 6 Jahren natürlich ausgewechselt worden - daran sieht man, dass Österreich noch immer eine Demokratie ist. Ob die damalige "Pinguinwerbung" für Österreich im Ausland noch aktiv ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis - eines ist jedenfalls sicher: "No Kangaroos in Austria" !                  

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