Jahrestagung der PhantastInnen

 

 

Jahrestagung - (c) Alfred Rhomberg

 

 

 

Alljährlich trifft sich der Verein der PhantastInnen e.V. zu einem gemeinsamen Arbeitsgespräch, um neue phantastische Wege für das anstehende Jahr zu erarbeiten und diese in einem gemeinsamen Abschlusscommuniqé zu verabschieden. Es ist ein ehernes Gesetz des Vereins, AbweichlerInnen aus dem Verein auszuschließen, wenn die erarbeiteten Regeln nicht eingehalten werden, wozu insbesondere JungphantastInnen in letzter Zeit – sei es wegen zu geringer oder überbordender Phantasie – immer häufiger neigen. Es ist allerdings auch nicht etwa so, dass der Verein keinerlei Spielräume zuließe – die Zulässigkeit von Abweichungen muss jedoch vom Vorstand in kritischen Fällen geprüft und genehmigt werden. Es kann nicht angehen, dass der Besucher einer zeitgenössischen Kunstausstellung einen Raum gutgläubig betritt, in welchem offenbar noch Installationsarbeiten durchgeführt wurden, was unschwer an herumliegenden Baumaterialien und einer Azetylenflasche erkennbar war. Der erschrockene Museumswärter wies den Besucher streng darauf hin, dass die Baustelle das eigentliche Kunstwerk sei. Hier hätte, auch wenn der ausstellende Künstler eventuell Joseph Beuys hieße, die Zustimmung des Vorstandes vor der Installation unbedingt eingeholt werden müssen. Oft werden nur Verwarnung ausgesprochen, als Beuys jedoch in der Kunstwelt mit seiner Ausstellung „wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ Aufmerksamkeit erregte, verstieß er gegen Grundsätze des Vereins der PhantastInnen e.V – so einfach darf frau/man es sich nicht machen (Zitat):

 

"Zu Beginn der Aktion in der Galerie Schmela in Düsseldorf versperrte Beuys die Tür von innen und ließ die Besucher draußen. Diese konnten nur durch Fenster den Vorgang beobachten. Seinen Kopf vollständig mit Blattgold, Goldstaub und Honig bedeckt, begann er, dem toten Hasen die Bilder zu erklären: Mit dem Tier auf dem Arm, und offenbar im Zwiegespräch mit diesem, ging er durch die Ausstellung, von Objekt zu Objekt. Erst nach drei Stunden wurde das Publikum in die Räume gelassen. Beuys saß dabei, den Hasen auf dem Arm, mit dem Rücken zum Publikum auf einem Hocker im Eingangsbereich". (Wikipedia-Zitatende)

 

Phantasie muss gewissen Regeln unterworfen sein, wobei es für das Entwerfen solcher Regeln sehr viel Phantasie bedarf – aber dazu ist der Verein der PhantastInnen e.V. schließlich da.

 

Die diesjährige Jahresversammlung war jedenfalls ein voller Erfolg: es wurde eine Grunderkenntnis der Psychologie in das Phantasieregelwerk eingegliedert, nach welcher das Auftreten von Phantasie immer dann auftritt, wenn Triebe in der Realität nicht ausgelebt werden können.

 

Dies ist besonders für die Generation der JungphantastInnen ein wichtiger Hinweis.

 

 

(05.07.2010)

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