Die Regenbogenzucht 

 

Regenbogenzucht - (c) Alfred Rhomberg

 

 

Man kann fast alles züchten, Hunde, Pferde, Krokodile, Blumen, Hass – warum sollte es AR nicht gelingen, Regenbögen zu züchten?

 

AR begann zunächst damit, einen Grund- bzw. Aufriss zu zeichnen. Wie sollte er sonst eine Vorstellung für sein beabsichtigtes Züchtungsziel bekommen. In Holland oder Spanien hatte man es sich bei der Tomatenzucht offenbar etwas zu leicht gemacht – wie wäre es sonst erklärbar, dass durch die Kreuzung zweier oder mehrerer wohlschmeckender Tomatensorten absolut geschmacklose Tomaten entstehen, die sich von fast ebenso geschmacklosen Birnen nur durch ihr Aussehen unterscheiden? Also fertigte AR die Zeichnung sehr sorgfältig und maßstabsgetreu an. Anschließend suchte er im Garten einen geeigneten Platz, der das störungsfreie Betrachten des Regenbogens erlaubte. Dort markierte er die beiden Stellen, aus denen sich der Regenbogen erheben sollte, wobei ein unverständiger Besucher fragte, ob AR Sanierungspläne nach Art der Straßenmarkierung aufzureißender Straßenabschnitte beabsichtige - mit solchen Leuten kann man nicht ernsthaft diskutieren.

 

Erschwerend bei der Regenbogenzucht ist, dass es keinerlei gedruckte Anleitungen, auch nicht in den zahlreichen Heimwerkerbastelbüchern gibt (Typ: Das große Regenbogenzuchtbuch) – jedEr muss ganz von vorne anfangen. So wie zur Pferdezucht Pferde erforderlich sind, lassen sich bei der Regenbogenzucht Naturregenbögen nicht ganz vermeiden, die allerdings völlig genfrei sein sollten. Ist es schon eine Seltenheit, einen einzigen wirklich schönen Regenbogen zu erleben, so ist das gehäufte Auftreten von Regenbögen sehr selten, bzw. frau/man erlebt allenfalls das Auftreten eines zweiten Bogens mit umgekehrter Farbabfolge und sehr geringer Lichtintensität – für Zuchtzwecke völlig ungeeignet! Das Warten auf weitere Regenbögen ist relativ zeitraubend, da bekanntlich drei Voraussetzungen gegeben sein müssen: 1). Regen, 2). Sonne und 3). dass der Sonnenstand sehr tief sein muss (weniger als 47 Winkelgrade!). AR wartete also geduldig 3 ½ Jahre bis er über eine vernünftige Zahl an Regenbogenereignissen verfügte, sodass er mit seinen Kreuzungsversuchen beginnen konnte. Über das Problem, wie er vorangegangene Regenbogenereignisse so konservieren konnte, dass sie 4 Jahre später mit neueren Ereignissen gekreuzt werden konnten, wollte AR aus patentrechtlichen Gründen nicht sprechen.

 

Als die Zahl notwendiger Regenbogenereignisse groß genug war um mit den Zuchtversuchen zu beginnen, machte sich AR ans Werk. AR bediente sich dabei ähnlicher Methoden, wie man sie bei der Krokodil- oder Pferdezucht anwendet, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen zu werden braucht. Alle Züchtungsversuche fanden in seinem Garten und von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschirmt statt. Eines Tages konnte er der verwunderten Presse einen ersten Erfolg präsentieren, der zwar noch weitere Versuche notwendig machte, weil – entgegen seiner genauen Grund- und Aufrisszeichnungen eigenartige Dellen in seinen Regenbögen zu beobachten waren. Es würde also noch etwas Arbeit kosten um diese Dellen zu entfernen und um eine passendere, den ästhetischen Ansprüchen AR’s hinsichtlich der Farbreigenfolge entsprechende Anordnung der Farben bei seinen Zuchtversuchen zu erhalten.

 

AR war trotzdem aufs erste mit seinem Zuchterfolg zufrieden – schließlich hätten ihm auch holländische Tomaten mit Eindellungen geschmeckt, sofern sie überhaupt nach etwas geschmeckt hätten. Immerhin erhielt er anlässlich der letzten Jahrestagung der PhantasInnen einen Trostpreis für seine phantasievollen Zuchterfolge zuerkannt, auch wenn er sich mehr erwartet hatte. Vielleicht würde es im nächsten Jahr klappen, denn AR hatte inzwischen nicht nur das Problem der Dellen in seinen Bögen schon fast gelöst, sondern auch Pläne ausgearbeitet, Regenbögen mit verschiedenen Duftnoten zu entwickeln – außerdem schrieb er bereits am Eingangskapitel seines beabsichtigten „großen Regenbogenzuchtbuchs“.

 

 

(Version 2.5.2013)



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