Leere Landschaften

 

Leere Landschaft - (c) Alfred Rhomberg

 

Gleichgültig ob leere Landschaften, leere Papierseiten oder leere Gedankenwelten – sie fordern uns geradezu heraus, gefüllt zu werden. Bei Landschaften bietet sich natürlich in erster Linie die Füllung mit modernen gefängnisartigen Wohnblocks an, auch Golfplätze oder Hotelanlagen sind sehr beliebt – man darf Landschaften doch nicht so leer herum liegen lassen.

 

Bei leeren Seiten ist die Vielfalt noch größer: Wahlplakate, Zeitungen, Bücher, Bücher, Bücher – wobei bei der Lesung zum Ingeborg Bachmann Preis 2011 zum ersten Mal eine umweltverträgliche Lösung vorgestellt wurde, insofern als der junge Autor nach Lesung seines Textes diesen einfach aufaß. Das Aufessen von Tageszeitungen, Büchern, Reklamezusendungen etc. könnte zu einer nachhaltigen Lösung – nicht gerade zur Erhaltung der Baumbestände – werden, aber Bäume könnten besonders gut wieder nachwachen, wenn sie nicht durch chemische Düngemittelkeulen, sondern durch biologische Düngemittel zum Wiedernachwachsen ermuntert würden.

 

Leere Gedankenwelten sind das schwierigste Problem: man kann in leere Gehirne nicht hineinschauen, d.h. man kann mit Computerresonanztomographie (MRT) zwar hineinschauen, aber die Gedanken darin nicht ergründen. Leider gibt es bei im Gehirn entstehenden Gedanken auch nicht die in Computern üblichen Lösch- oder Resetfunktionen, daher haben Gedanken die fatale Eigenschaft, meist nicht dort zu bleiben, wo sie entstanden sind, sondern neigen dazu, in die Welt hinauszutreten um leere Landschaften mit hässlichen Bauwerken, Golfplätzen etc. oder leeren Papierseiten zu füllen – von anderen vorstellbaren Möglichkeiten, Gedanken in Taten umzusetzen soll hier gar nicht gesprochen werden.

 

Zumindest was die leeren Landschaften betrifft, kann ich nur dringend empfehlen, sie recht oft zu fotografieren, damit man anhand der Bilder nachkommenden Generationen wenigstens eine (für sie vielleicht sonst nicht mehr verständliche) Vorstellung übermitteln kann, dass es so etwas einmal gab und wie so etwas aussah. Ich würde mich ja auch darüber freuen, wenn die Fotografie schon in der Kreide-Tertiär-Zeit vor etwa 235 bis 65 Millionen Jahren erfunden worden wäre, weil ich dann nicht auf fragwürdige Hollywood-Dinosaurierfilme angewiesen wäre, diese schrecklichen Ungetüme aus zweiter Hand nach den Vorstellungen gewinnsüchtiger Filmregisseure bzw. Produzenten kennen lernen zu müssen.

 

(2011)

 

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