Das Monument

 

 

Asphaltmonument - (c) Alfred Rhomberg

 

Monumente sind meist recht ungeschickt platziert – ich denke da u.a. an die Cheopspyramide inmitten der Wüste, die Christusstatue auf dem Corovado in Rio de Janeiro und an das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, wobei letzteres zusätzlich noch viele Treppenstufen aufweist. Die Erbauer solcher Denkmale hatten offenbar nicht mit den WohlstandsbürgerInnen unserer Zeit gerechnet, für die das Erklimmen von Treppen aufgrund ihrer Wohlbeleibtheit oft anstrengender sein kann, als der Genuss, am Gipfel des Denkmals zu stehen. Auch die Schwierigkeit des Kletterns im Mount Rushmore National Memorial in South Dakota ist spätestens nach dem Film „Der unsichtbare Dritte“ (Hitchcock) bestens bekannt. Die Frage lautet also: muss das so sein?

 

Der Tourismusverband von Heideschnuckendorf, ein kleines Heidedorf, das weder über Wüsten noch Berge und auch über keine HeldInnen verfügt, an welche ein Denkmal erinnern könnte, machte aus der Not eine Tugend. Die nicht verfügbaren HeldInnen waren dabei das geringste Problem – welche/r Ägyptenreisende weiß, wer Cheops war und wer kennt Arminius (zu deutsch Hermann), der 9 nach Christus den römischen Legionen eine vernichtende Niederlage im Teutoburgerwald bereitete – allenfalls Oberstudienräte! Die Mehrzahl moderner TouristInnen sind jedoch keine Oberstudienräte bzw. Oberstudienrätinnen – daher entschloss sich der Tourismusverband in Heideschnuckendorf, auf berühmte Persönlichkeiten ganz zu verzichten und nannte das vor kurzem fertiggestellte Denkmal ganz einfach „Monument“. Wenn jemand den Weg dorthin suchte, genügte daher die einfache Frage: „guten Morgen (Tag/Abend…) – wo geht es hier bitte zum Monument?“ Derart einfache Sätze können auch JapanerInnen oder KirgisInnen leicht auswendig lernen und nur selten fragen Touristen danach, in welchem Jahrhundert die verewigten Helden des Monuments eigentlich gelebt hatten. Gelegentlich wird das Monument auch mit “Dokument“ verwechselt, was nicht so abwegig ist, weil Monumente oft Dokumente vergangener Zeiten sind.

 

Das Monument von Heideschnuckendorf hat, wie erwähnt, keinerlei geschichtliche Bezüge, außer dass in 200 Jahren vielleicht die Phantasie des ehemaligen Touristenverbandes einmal als geschichtliches Ereignis gefeiert wird, weil es dem Dorf durch den wachsenden Tourismus dazu verholfen hatte, das Stadtrecht zu erlangen um dann als Kreishauptstadt Heideschnucken-City in die Landesgeschichte einzugehen.

 

Phantasie sollte niemals nur als Hirngespinst abgetan werden!

 

(10.5.2012) 

 

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