Douce France – die Liebe zu einem liebenswerten Land

 

Besançon - © Alfred Rhomberg

 

Liebe hat sehr viele Facetten, wobei Beziehung, Attraktion, Emotion und - aus allgemeiner Sicht, auch die „Liebe zu Gott“ oder zur Natur eingeschlossen sind. All dies lässt sich auch für ein Land empfinden - Frankreich ist für den Autor ein solches Land, bei welchem zu Beginn sogar ein wenig Hass (der in der facettenreichen Liebe ja auch gelegentlich eine Rolle spielt) stand. Tirol war französische Besatzungsmacht und französische Soldaten gingen in den ersten Tagen mit diesem besetzten Tirol nicht immer glimpflich um – bis General Antoine Émile Béthouart (späterer Hochkommissar für Österreich) die Tiroler überzeugen konnte, dass er sich nicht als Besatzer, sondern als Befreier empfand und der bei den Alliierten intensiv für ein geeinigtes Österreich aller vier Besatzungszonen warb.

 

Es war selbstverständlich, dass Französisch in allen gymnasialen Schulformen damals zum oft gehassten Hauptfach wurde, das weit wichtiger als alle anderen Fächer war. Gerade deswegen hatten wir diese herrliche Sprache bis zur Matura mit Zähneknirschen hervorragend erlernt, auch wenn ich sie ich heute nur noch passiv beherrsche, weil andere Sprachen für mich später wichtiger wurden. Der gut fundierte Sprachunterricht reicht noch immer aus, um fast 60 Jahre später französische Literatur in der Originalsprache mühelos lesen zu können - im Gespräch mit Franzosen will allerdings zunächst immer die erst viel später erlernte italienische Sprache antworten.

 

Für einen Jugendlichen um etwa 15, der mit der Sprache „kämpfte“ (es gab zu dieser Zeit in Österreich nur selten gute Noten), begann das erste Interesse für Frankreich bei den jährlichen Feiern des „Sturms auf die Bastille“, also am 14. Juli, wobei uns Jugendlichen nicht die vormittäglichen Militärparaden imponierten, sondern der am Abend mit bunten Lampions geschmückte „Rennweg“ vor der Hofburg Innsbrucks, wo die Bevölkerung bei französischer Musette-Musik tanzte. Diese Musik hatte mich damals als leidenschaftlicher Akkordeonist so begeistert, dass mich dieses federleichte Musette-Genre und später dann das französische Chanson heute noch genauso fasziniert wie früher, weshalb dieser Beitrag auch mit einem link zu einem Chanson „Douce France“ (gesungen von Charles Trenet) endet.

 

Leider war ich nicht so häufig in Frankreich, wie frau/man sich das von einem echten Francophilen vorstellen würde und kenne insbesondere den Norden nur sehr flüchtig – ich war mehrmals unter den unterschiedlichsten Voraussetzungen in Paris, kenne den Süden besser – und war während meiner langen Berufszeit (in Mannheim) fast jährlich einmal im Elsass, jener Schnittstelle zu Deutschland, die viel französischer als deutsch ist, obwohl das Elsass während der abwechslungsreichen Geschichte häufiger auch zu Deutschland gehörte. Ich musste der Industrieregion Mannheim/Ludwigshafen und den kleinen Ortschaften dieser Region mit ihren übertrieben restaurierten, ölfarbegepinselten Fachwerkbauten einfach gelegentlich entfliehen und da war das nahe Elsass ganz besonders (nahe)liegend.

 

Zum Frankreichbild gehören Landschaft, Kultur/Kunst und Geschichte gleichermaßen und ganz besonders jene Leichtigkeit im zwischenmenschlichen Umgang, die anderen Ländern oft abgeht – wer nur die französische Küche schätzt, hätte Frankreich wohl nur recht einseitig erfasst.

 

Es würde den Rahmen eines solchen Beitrags sprengen, über all das zu berichten, das meine Liebe zu diesem Lande weiter vertieft hat – in einem besonderen Chanson ist alles zusammengefasst, was der Dichter, Komponist und Maler Charles Trenet in seinem Text „Douce France“ (cher pays de mon enfance) so viel besser ausdrücken konnte, als viele bekannte Schriftsteller und Lyriker, wobei die beiden verfilmten Erzählungen von Marcel Pagnol „Das Schloss meiner Mutter“ und der „Ruhm meines Vaters“ noch am ehesten das ausdrücken, was Charles Trenet in „Douce France“ beschreibt.

 

„Douce France“ ist mehr als eine Liebeserklärung an Frankreich – die Liebeserklärung geht so weit, dass dieses Chanson zu einem Instrument der Widerstandsbewegung gegen das Hitlerregime wurde, obwohl der Text so völlig unpolitisch ist(1). Es gibt viele musikalische Fassungen dieses Liedes, sodass eine Auswahl schwer fällt. Wie bei so vielen Chansons gefällt mir die Interpretation von Juliette Greco am besten. Da es offenbar keine im Internet abrufbare Video-Fassung mit Juliette Greco gibt, bietet sich „nur“ ein link zu einer der vielen Trenet-Aufnahmen an. Trotzdem soll ein anderer link zu Juliette Greco führen, der gleichfalls eine Liebeserklärung an Frankreich – wenn auch „nur“ zu Paris bedeutet: „Sous le ciel de Paris“. Es gibt so viele Chanson-InterpretInnen in Frankreich, wie wohl in keinem anderen Land – darunter gehören Edith Piaf, Juliette Greco und Yves Montand wohl zu den herausragendsten und alle drei verkörpern eine andere Facette des Chanson und der Liebe. Bei Edith Piaf (der Lerche von Paris) steht oft das zu Bravoureuse der Stimme im Vordergrund, wobei ihr „Non je ne regrette riens“ das für ihr Leben vielleicht wahrhaftigste Chanson ist. Yves Montand verkörpert den jugendlichen Charmeur ebenso wie später den älteren Charmeur – und Juliette Greco, stets schwarz gekleidet, lässt mit ihren grazilen Handbewegungen, ihren Augenaufschlägen und dem stets ausdrucksreichen Gesicht, vielleicht die „französischste“ Form der Liebe anklingen – der oft melancholischen, oft sogar etwas morbiden Seite (nicht in dieser Aufnahme) – wie ja das existenzialistische Umfeld, in welchem sie berühmt wurde, immer auch etwas morbide war.

 

(Erstversion 2010, redigiert 14.6.2015/2018)

 

Anm.: Leider sind die folgenden und im obigen Text erwähnten Chanson-Titel aus Urheberrechtsgründen seit kurzer Zeit nicht mehr verfügbar:

 

                Douce France mit Charles Trenet, 1963:

                Sous le ciel de Paris – Juliette Greco

 


 

(1) Douce France, Text : Charles Trenet

Il revient á ma mémoire
Je revois ma blouse noire
Lorsque j’étais écolier
Sur le chemin de l’école
Je chantais á pleine voix
Des romances sans paroles
Vieilles chansons d’autrefois

{Refrain:}
Douce France

Cher pays de mon enfance

Bercée de tendr’ insouciance
Je t’ai gardée dans mon coeur!
Mon village au clocher aux maisons sages
Où les enfants de mon âge
Ont partagé mon bonheur
Oui je t’aime
Et je te donne ce poème
Oui je t’aime
Dans la joie ou la douleur

Douce France
Cher pays de mon enfance
Bercée de tendr’ insouciance
Je t’ai gardée dans mon coeur

J’ai connu des paysages
Et des soleils merveilleux
Au cours de lointains voyages
Tout là-bas sous d’autres cieux
Mais combien je leur préfére
Mon ciel bleu mon horizon
Ma grande route et ma rivière
Ma prairie et ma maison.

 

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