Weihnachten – ein Fest der Freude ? 

 

Weihnachten II - © Foto Alfred Rhomberg

 

Dieses Fest gilt landläufig als Fest der Freude – sollten wir es dabei belassen? Ich glaube nicht – auch wenn es heißt, geteilte Freude sei doppelte Freude.

 

Ein Fest der Freude ist Weihnachten für alle Kinder die, auch wenn sie nicht mehr an das Christkind glauben, genau wissen, was sie von Eltern, Großeltern, Tanten etc. geschenkt bekommen und was sich ihre AltersgenossInnen so alles wünschen - wie sich das in einer heranwachsenden Konsumgesellschaft gehört.

 

Weihnachten ist auch ein Fest der Freude für Radio- und TV-Programmverantwortliche – es gibt fast nichts, was sich nicht weihnachtlich verarbeiten ließe, angefangen von Sendungen mit Hansi Hinterseer, Helene Fischer, DJ Ötzi bis Andreas Gabalier und sämtlichen volkstümlichen „Buam“ bis zu Volksbräuchen und Gebrauchttum – und natürlich das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach, das ja nicht so schlecht ist. Über die Vielzahl an religiösen Sendungen wollen wir hier nicht sprechen – die hängen irgendwie mit Weihnachten zusammen. Dieses „Irgendwie“ ist den Menschen zwar „irgendwie“ abhandengekommen – aber irgendwie geht frau /man dann doch einmal im Jahr in die Christmette – mehrere Christmetten pro Jahr gibt es ja bekanntlich nicht.

 

Die Weihnachtsindustrie hat jedenfalls allen Grund zur Freude und je nach Datenquelle machen Weihnachtseinkäufe zwischen 15 und 20 Prozent des Jahresumsatzes aus. Da ein Großteil der gekauften Produkte in Japan oder China produziert werden, ist der Weihnachtsgedanke weltweit gewaltig im Vormarsch – erheblich mehr, als dies altmodischen Missionaren früher jemals gelang.

 

Ja – und (be)sinnlich muss es sein – wobei die vorweihnachtlichen Fernsehspots bekannter Dessous- Firmen und besonders erotisierende Parfums ja ebenfalls etwas mit sinnlich zu tun haben.

 

Und dann gibt es die jährlich anwachsende Zahl der Christkindlmärkte, vor deren grellbunten Verkaufsständen der Sirup vorweihnachtlicher Kaufhaus-Seligkeit durch Glühwein mit genügend hohem Alkoholgehalt so stark verdünnt wird, dass der vorangegangene Einkaufsstress alkoholbedingt einer euphorischen Stimmung Platz macht. Das ist vielleicht auch bei betrieblichen Weihnachtsfeiern der eigentliche Grund für die vom Arbeitgeber gespendeten Gaumenfreuden und Alkoholexzesse, um ihren Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sich der ihnen während des Jahres zugemutete Stress durch etwas Sekt und viel Glühwein wieder neutralisieren lässt. 

 

Und schließlich gibt es natürlich die Alten, Kranken und Armen für die es im Grunde gleichgültig ist, ob sie nun ausgerechnet zu Weihnachten alt, krank und arm sind – aber für Reportagen der Medien ist eben wichtig, dass sie auch zu Weihnachten alt, krank und arm sind.

 

Was würde wohl Jesus Christus heute zu der geballten Freude sagen, die seine Geburt ausgelöst hat? Aus kirchlicher Sicht ist da das letzte Wort bekanntlich noch nicht gesprochen!

 

Der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti (*1921) hat mit seinem Ausspruch „Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht“ zwar recht, aber da sich deutschsprachige Auszubildende (Azubis, Lehrlinge) bereits ab ca. 1985 in Firmen gelegentlich um eine Leere, anstatt einer Lehre bewarben, sieht es wohl um die „wahre“ Weihnacht vermutlich bald noch wesentlich schlechter aus.

 

Nachsatz (Karl Valentin): Wenn die stille Zeit vorüber ist, wird es endlich auch wieder ruhiger.

 

(20.12.2016)

 

 

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