Im falschen Jenseits?

 

Im falschen Jenseits-II - © Alfred Rhomberg

 

Ich hatte die Schwelle zum Jenseits bereits überschritten, jetzt bedurfte ich eines Glases Wasser, um mich von den Strapazen der Reise zu erholen. Dies sei erst möglich, wenn ich bereits einen Aufenthaltstitel vorweisen könne! Ich sollte mich also zu den anderen Wartenden begeben und warten bis ich an der Reihe wäre - außerdem müsse erst von ganz oben ein Gesetz ausgearbeitet werden, wo sich mein endgültiger Aufenthaltswohnsitz befinden würde! Ich fragte zurück, ob damit Himmel, Hölle oder Fegefeuer gemeint sei und erntete ein mitleidiges Lächeln: diese Kategorien stünden heute nicht mehr zur Debatte, schließlich befänden wir uns im 21. Jahrhundert - ob ich denn vor dem Übertritt dieser Schwelle nie die öffentlichen Medien zur Flüchtlingsproblematik gelesen oder gehört habe? Hatte ich … (mehr als mir lieb war) – deswegen entgegnete ich etwas irritiert: ich komme eigentlich nicht als Flüchtling, sondern als ordnungsgemäßer Zugang, dem gar keine andere Wahl blieb, als man mich rief! Das spiele hier kein Rolle - hier seien alle Menschen gleich und würden dementsprechend gleich behandelt. Ich unterdrückte meine schlechte Stimmung, ebenso wie die Bemerkung, die mir auf der Zunge lag: „offenbar alle gleich schlecht!“ Weiterhin wurde mir gesagt hier gäbe es auch keine Grenzzäune, Grenzsperren und Obergrenzen -  auf welche ich insgeheim schon gehofft hatte, weil ich dann vielleicht abgewiesen worden wäre, falls das Jenseits bereits überfüllt war… 

 

Möglicherweise war ich ja in einem falschen Jenseits gelandet – und vielleicht war auch alles tatsächlich nur ein von Tagesresten geprägter Albtraum. Ich entschloss mich jedenfalls, das Ganze als solchen zu empfinden und da es keine andere Wahlmöglichkeit gab, wartete ich geduldig, wartete und wartete … bis in alle Ewigkeit…

 

Wenigstens in diesem Punkt hatte ich offenbar bereits ein erstes Faktum zum Begriff „Ewigkeit“ begriffen: 

 

EWIGKEIT IST EWIGKEIT IN ALLE EWIGKEIT.

 

Gelegentlich verschwimmen offenbar Begriffe wie irdische politische Wirklichkeit und transzendente Ewigkeit.

 

 

(14.4.2016)

 

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