Meilensteine menschlicher Kommunikation

 

Textverarbeitung II - © Alfred Rhomberg

 

 

Manchmal ist es nützlich, innezuhalten und durch einen Rückblick neue Impulse für die Zukunft zu gewinnen. Ein Widerspruch? Nein – kein Widerspruch, denn häufig sind es alte Gedanken, die durch neue Technologien wiederbelebt werden. So findet frau/man z.B. das Prinzip der Pendeluhr in den modernen elektronischen Quarzuhren wieder, beide haben einen Antrieb, ein Zeitfenster (Pendel, Quarzschwingungsfrequenz) und eine Anzeigevorrichtung (Zeiger oder Zifferndisplay). Ebenso ist der ASCII Code der digitalen Kommunikation ohne Vorläufer wie Alphabet, Morsezeichen, Lochstreifen oder Barcode kaum denkbar.

 

Buchdruck

 

Der erste Meilenstein weltweiter Kommunikation ist zweifellos der Buchdruck, denn mit Hieroglyphen in Ton gemeißelte Texte waren ebenso wie die späteren Papyrus-Schrifftrollen kaum geeignete Mittel einer breiten Kommunikation, ebensowenig wie die handgeschriebenen Bücher in den Klöstern des Mittelalters, die eher zur Archivierung von Wissen dienten.


Dies änderte sich erst durch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (sein Name war eigentlich Gensfleisch zu Laden) zwischen 1397 und 1400 (es gab bereits vorher Versuche von anderen). Durch den Buchdruck war es erstmals möglich, menschliches Wissen breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.

Die Schreibmaschine

Als Erfinder gilt der Südtiroler Peter Mitterer (1822-93) der zwischen 1864 bis 1869 mehrere Modelle einer Schreibmaschine (zunächst aus Holz, spätere Modelle waren aus Metall) baute. Mitterer erlebte noch den Erfolg seiner Erfindung, die in Amerika sehr schnell weiterentwickelt wurde, ohne jedoch am Erfolg seiner Erfindung teilzuhaben. Die Schreibmaschine eröffnete ab ca. 1900 neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen in der Industrie, die vorher nur körperliche Schwerarbeit verrichten durften.


Schreibmaschinen erlaubten ca. 5-6 Kopien durch „Kohlepapiere“, die zwischen die einzelnen dünnen „Kopierpapiere“ gelegt wurden. Immerhin konnten mit Schreibmaschinen auch „Matrizen“ (mit Wachsen beschichtete Papiere) angefertigt werden, die im Handdruckverfahren bis zu 100 Kopien erlaubten. Da auf solche Matrizen auch mathematische Formeln, chemische Strukturformeln und andere Zeichnungen mit einem Griffel eingeritzt werden konnten, bedeuteten Matrizen eine wesentliche Verbesserung für viele Bereiche des wissenschaftlichen und industriellen Alltags (Doktorarbeiten, Monatsberichte etc.).

Schreibmaschinen wurden ab ca. 1960 weitgehend durch „elektrische“ Schreibmaschinen ersetzt, meist nach dem „Kugelkopfsystem“, bei welchem die Typenhebel durch eine Kugel ersetzt wurden, auf der sich alle alphabetischen Zeichen befanden und deren schnelle Drehbarkeit eine deutlich höhere Schreibgeschwindigkeit erlaubten. Die Übertragung des Tastenanschlages wurde elektrisch auf das Druckelement übertragen, was eine gleichmäßigere Schrift ermöglichte. Den nachfolgenden „elektronischen“ Schreibmaschinen (oft als Word-Processor bezeichnet), war keine lange Lebensdauer beschieden, obwohl es damit erstmalig möglich war, 5-20 Zeichen oder ganze Sätze zu speichern, zu korrigieren und dann erst auszudrucken, denn fast gleichzeitig eroberte der PC mit seinen Schreibprogrammen eine neue Welt der Textverarbeitung.

Der Telegraf

Die Erfindung des Telegrafen durch Samuel F.B. Morse (1791-1872) bzw. seinem Mitarbeiter Vaile, ermöglichte es, Informationen auf elektrischem Wege über größere Distanzen weiterzuleiten, Der Telegraf hatte daher große wirtschaftliche Bedeutung im anbrechenden Industriezeitalter. Die ersten Versuche zwischen 1835-1837 führten 1844 zur ersten interurbanen telegrafischen Kommunikation. Erstaunlich ist, dass bereits 1858 das erste Transatlantik-Unterwasserkabel für Telegrafie zwischen Amerika und Europa vollendet wurde, eine wesentliche Voraussetzung für die Wirtschaft und den Beginn des Industriezeitalters ab ca. 1850. Das von Morse erfundene Morsealphabet, bei dem alle Schriftzeichen und Buchstaben durch einen Code von 5 Zeichen (eine Kombination von Strichen und Punkten) wurde schließlich im Digitalzeitalter durch neue Codes wie den ASCII Code abgelöst (American Standard Code of Information Interchange) abgelöst. Der Telegraf ist seit ca. 2005 aus dem Postalltag verschwunden.

Die Fotografie als Archivierungs- und Kommunikationsmittel

Etwa zeitgleich zur Erfindung des Telegrafen wurde die Fotografie auf Basis der Beschichtung von Glasplatten mit einer lichtempfindlichen Silberjodidmatrix erfunden. 1829 erfand der Bühnenbildner Louis Daguerre unter der Mitarbeit von Niepce seine erste Kamera. Das Silberjodidverfahren entstand zwischen 1833-1835, 1837 gelang die chemische Fixierung solcher Bilder. 1838 konnte der bedeutende Wissenschaftler Louis Arago die Akademie der Wissenschaften in Paris von der Bedeutung der „Daguerrotypie“ überzeugen. Neben anderen Verfahren der Abbildung von Zeichnungen oder Bildern mittels chemischer Verfahren, war das Silberjodidverfahren bis ca. 1985 das wichtigste Abbildungsverfahren. Erst durch die Entwicklung der Mikroprozessortechnik wurde das Silberjodidverfahren weitgehend durch die neue Technik der Digitalkameras abgelöst.

Lichtpausverfahren

Das Kopieren von Zeichnungen bzw. Bauplänen, Formeln und Diagrammen wurde bei diesem Verfahren entweder fotografisch oder durch andere Licht induzierte chemische Prozesse bewerkstelligt(1). Am bekanntesten war das heute im Aussterben begriffene „Lichtpausverfahren“. Bei diesem Verfahren wird ein Spezialpapier verwendet, das einen latenten Farbstoff enthält, der beim Belichten zerstört wird und die unbelichteten Stellen dann mit Ammoniak sichtbar gemacht werden. Die sogenannten „Blaupausen“, die nach dem oben beschriebenen Verfahren angefertigt wurden, sind in der Ingenieur- und Bautechnik noch gut in Erinnerung, immerhin ließen sich durch das Lichtpausverfahren auf Transparentpapier gezeichnete Zeichnungen in unbegrenzter Zahl als blaue Strichzeichnungen auf grauem Untergrund vervielfältigen. Daneben wurde eine ganze Reihe von Kontaktkopierverfahren entwickelt, bei denen unterschiedliche lichtempfindliche Schichten verwendet wurden. Die meisten dieser Kopien waren schon nach ein bis zwei Jahrzehnten unansehnlich oder unlesbar, sodass länger haltbare Ergebnisse letztlich nur mit Repro-Kameras und den verschiedenen Verfahren der Fotografie oder Buchdrucktechnik erzielt werden konnten.

Die Xerografie

1938 gelingt Chester Carlson die erste Kopie einer Schriftvorlage mittels der Xerografie(1)(2) (Elektrofotografie); 1942 erhält er ein Patent für diese Technologie, die die Welt der Bilddarstellung revolutionierte. Er verkauft die Lizenz für das xerografische Verfahren 1947 an Haloid. Aus der später die Rank Xerox Ltd. wurde 1949 wird der erste Fotokopierer vorgestellt und zwischen 1956 – 1959 die Serienproduktion aufgenommen.

Telefon

1861 wurde der erste Apparat der Tonübertragung von P.Reis in Paris vorgestellt. Brauchbare Geräte auf elektromagnetischer Basis entstanden durch A. G. Bell in Boston , ab 1877 wurden die ersten Versuche der deutschen Reichspost durchgeführt, erste Ortsnetze in Mühlhausen (Elsass) und Berlin, 1883 Leitung zwischen Hamburg und Berlin, ab 1928 Fernsprechdienst über Funk, 1956 erstes Transatlantikkabel für Telefonie (TAT1) zwischen Europa und Nordamerika. Moderne Weiterentwicklungen: Mobilfunk und Internetübertragung per Funk durch moderne digitale Breitbandtechnik.

Telex (Fernschreiber)

Fernschreiber sind Schreibmaschinen mit Telefonanschluss. Erste Telexnetze stammen aus den 20 iger Jahren. Da das Schreiben simultan zum Empfang erfolgen muss und eine gleichmäßige, nicht allzu schnelle Schreibweise erforderte, waren Fernschreiber oft mit Lochstreifen gekoppelt. Durch die wesentlich komfortablere Übersendung von Texten und Bildern mittels FAX und e-mail werden Fernschreiber heute allenfalls noch in unterentwickelten Gebieten der Welt verwendet. Die Telex-Technik ist ebenso wie die Telegrafie technisch überholt. In vielen Ländern wurden Telegramm- und Telexverkehr daher in den letzten Jahren eingestellt.

FAX

Eine Wende ergab sich durch die Einführung des FAX-Verkehrs (in den meisten Firmen um 1975), weil Texte jetzt mit aufgeklebten Bildern, Formelzeichnungen oder tabellarischen Zusammenstellungen sehr schnell in die sich internationalisierende Welt der Industrie versendet werden konnten. Dies bedeutete zwar eine Entlastung der Sekretariate, nicht jedoch für Manager und Führungskräfte. Durch das FAX wurde man plötzlich mit dem Faktor „Zeit“ und der globalen Zeitverschiebung konfrontiert, weil der amerikanische Kommunikationspartner am späten Nachmittag seine Briefe per FAX nach Europa versandte und erwartete, dass diese am Folgetag beantwortet wurden. Der eigene Arbeitstag wurde seit dieser Zeit weitgehend durch die zu beantwortenden Anfragen, die sich während der Nacht in den Sekretariaten ansammelten, bestimmt.

Computer

Erfinder des ersten programmgesteuerten Rechners ist Konrad Zuse (1910-1995) Seine Erfindungen und Patente wurden von 1936 bis 1995 laufend veröffentlicht. Als erstes verwenbares Großprojekt gilt jedoch der ENIAC (electronic numerical integrator and computer) der US Army. Das ENIAC Projekt wurde seit 1943 verfolgt, das erste Patent des ENIAC jedoch erst 1947 angemeldet. Seine Ursprungsaufgabe waren ballistische Berechnungen, der ENIAC wurde jedoch auch für Berechnungen bei der Entwicklung der Atombombe eingesetzt. Das mehr als 30 Tonnen schwere Monstrum hatte 19000 Vacuumröhren, das Projekt wurde 1955 wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.


Vom Transistor zum Großrechner und PC

Die Entwicklung des Computers begann erst mit der Erfindung des Transistors durch Walter Brattain (1947) wirtschaftlich zu werden und wurde zur wichtigsten Erfindung der Epoche. Der Weg vom einfachen Transistor (Abk. von transfer resistor) bis zu den Microprozessoren – sie enthalten inzwischen mehrere Millionen von Transistoren – war nicht geradlinig und ist längst nicht abgeschlossen. Die modernen hochgetakteten Computer machten interaktive Kommunikationsmittel wie Internet und e-mail seit ca. 1990 zum wichtigsten Kommunikationsmittel unserer Zeit. Die bereits weitfortgeschrittene Integration bisher nicht interaktiver Massenmedien wie Rundfunk oder Fernsehen ins Internet (oder ähnliche zukünftige Netze) werden unsere weitere Zukunft bestimmen.

Mit der 1975 von Bill Gates erfundenen Software eines einfachen Betriebssystems für Computer (DOS, Disk Operating System) eroberte der Personal Computer (PC) von nun an die Welt. Etwa parallel dazu entstand die PC-Entwicklung von Apple, die durch eine grafische Oberfläche und die Bedienung mit der Maus das Arbeiten am Computer erleichterte. Am Anfang war die breite Anwendung in der Industrie noch zu teuer. 1980 kostete ein IBM PC mit einer Festplattenkapazität von 20 Megabytes ca. DM 20.000 – die Pharmaindustrie gehörte trotzdem zu jenen Industriezweigen, in denen die neuen Computer sehr schnell Eingang fanden, besonders, als zu Beginn der 80-iger Jahre erste Datenverarbeitungsprogramme entwickelt wurden, mit deren Hilfe chemische Strukturen und Strukturelemente mit anderen Daten (z.B. Messdaten) verknüpfbar und suchbar wurden. In den ersten Vorläufern solcher Programme, oft von den Firmen selbst programmiert, konnten z.B. chemische Strukturen nur mit Hilfe fester Koordinaten gespeichert werden, was die Suchbarkeit von Strukturelementen chemischer Formeln sehr erschwerte.

 
Seit etwa 1985 gibt es Netzwerksysteme, mit denen einzelne PC’s erstmalig verknüpft werden konnten und auch die Verbindung mit Großrechnern ermöglichten. 1990 waren in großen Firmen bereits fast alle Büros, Arbeitszimmer, Labors und Produktionsbetriebe mit vernetzten PC’s bestückt. Die modernen Großdatenbanken haben seither sowohl bezüglich Literaturrecherchen, als auch hinsichtlich der Verwaltung von Daten einen bestimmenden Einfluss auf die Industrieforschung genommen.

Das Internet

Das Internet ging aus dem 1969 entstandenen Arpanet hervor, einem Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums. Es wurde zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen benutzt. Ziel des Projekts war zunächst, die knappen Rechenkapazitäten sinnvoll zu nutzen, erst in den USA, später weltweit. Nachdem das Arpanet 1982 das TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) adaptierte, begann sich auch der Name Internet durchzusetzen.

Es erübrigt sich an dieser Stelle weiter über das Internet zu berichten. Die Präsenz und die erst am Anfang stehenden Internet-Technologien führen weit in die Zukunft hinein.

 

 

(21.12.2013, überarbeitete Fassung aus 2011)

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(1) Neben den XEROX-Verfahren beruhen Kopierverfahren heute oft auf „gescannten“ Vorlagen, bei denen eine Vorlage in ein Computergrafikprogramm eingelesen und dann mit unterschiedlichen Drucksystemen ausgedruckt wird. Technische Zeichnungen werden heute fast ausschließlich mit CAD-Computerprogrammen (Computer aided Design) angefertigt und können in beliebiger Größe und Anzahl ausgedruckt werden, sodass der Beruf der technischen ZeichnerInnen, ebenso wie die Blaupause im Aussterben begriffen ist.
Die Vorlagen können entweder als “pixelorientierten” (aus einzelnen Punkten bestehenden Grafiken oder als “Vektorgrafiken” verarbeitet werden – beide Verfahrn haben Vor und Nachteile, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.


Eine große Bedeutung zur Digitalisierung von gedrucktem Material (Bücher, Zeitungen) sind OCR-Softwares, bei denen gescannte Texte durch optische Texterkennung (Optical Character Recognition)in Textdokumente übergeführt werden können. Dadurch sind Textrecherchen, aber auch Veränderngen der Texte möglich.

(2) Definition Wikipedia Enzyklopädie: Die Elektrofotografie (auch Elektro-Faksimileverfahren, kurz Elektrofaxverfahren, Xerografie, umgangssprachlich Fotokopie) erzeugt durch eine Abbildung beziehungsweise Belichtung eines Fotoleiters mit dem optischen Abbild einer Vorlage (zum Beispiel ein Dokument) ein latentes Bild aus elektrischen Ladungen, das nachfolgend dazu benutzt wird, selektiv einen Toner aufzutragen (Entwicklung) und ein Abbild (Kopie) der Vorlage, beispielsweise auf Papier, zu erzeugen (Zitatende).

 

 

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