Hase & Co

 

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Das Hasenohr lauscht nicht mehr auf die Gefahren des spähenden Fuchses, es hört die Stimmen der Architekten und Bauarbeiter – bald werden die ersten Bagger kommen und es wird wieder einmal Zeit, in ein Land auszuwandern, in ein Land ohne Architekten und Baumaschinen.

 

Als erstes werden die Bäume gefällt, Vögel und Eichhörnchen gleichermaßen zum Auswandern verurteilt wie die Hasen, sie ziehen sich in die Bergwälder zurück, nicht ahnend, dass deren Rodung gerade geplant wird und Bergwälder nach ihrer Rodung für Schipisten und Seilbahnen für den Tourismus unverzichtbar sind – ganz abgesehen von der Umwegrentabilität.

 

Die Teilzieher unter den Amseln überlegen, ob sie überhaupt wiederkommen sollen und überreden ihre nicht teilziehenden Artgenossen gleichfalls mitzuziehen. Auch unter Drossel, Fink und Star herrscht immer größere Unruhe.

 

Alles ist im Aufbruch, nur die Wühlmäuse weichen auf das kleine benachbarte Gartengrundstück aus, um nicht den Baggerschaufeln zum Opfer zu fallen. Auch sie sorgen für Umwegrentabilität, weil sie die Wurzeln aller neu gepflanzten Blumen und Sträucher als Leckerbissen betrachten, die daher nachgesetzt werden müssen, wodurch die Umsätze von Gartencentern steigen und für die Erhaltung von Arbeitsplätzen gesorgt wird.

 

Bald werden aber auch die Architekten und Baugesellschaften auswandern müssen – weil sie alles verbaut haben. Irgendwo muss es doch noch etwas zu bebauen geben – in den Wüsten, unter dem Meeresspiegel oder vielleicht sogar am Mars.

 

Touristen freuen sich – als Teilzieher zieht es sie während der kostbarsten Wochen des Jahres an die mit Bettenburgen zugebauten spanischen Strände und der Türkei oder in die nach der Rodung der Bergwälder erholsamen, mit Kunstschnee beschneiten Schipisten der Alpenlandschaften.

 

Schade, dass es dort keine bebaubaren Bodenflächen für weitere Zweit- und Drittwohnsitze mehr gibt.

 

Hase & Co sterben aus, die Bagger gewinnen die Überhand in unserer unbarmherzigen Zeit..

 

 

 

(Version 30.11.2014)

 

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