Der Weg nach oben – ein Interview mit dem Spitzenmanager X

Hochhäuser - (c) Alfred Rhomberg

 

 

Sehr geehrter Herr X (der Name ist frei erfunden und könnte auch für Y stehen), ich möchte mich zunächst dafür bedanken, dass Sie sich für dieses Interview zur Verfügung gestellt haben und gleich zu Beginn die Frage an Sie richten, seit wann Sie die Absicht hatten, Spitzenmanager zu werden – war das bereits ein Kindheitstraum?

 

X: Man könnte es fast so nennen, ich habe mich schon seit meiner Kindheit für diesen Beruf interessiert, ich wollte etwas Richtiges werden und Dinge bewegen, weil ich bei meinem Vater sah, wie schwer er sich als katholischer Priester mit Institutionen tat und wie wenig sein Engagement gewürdigt wurde.

 

Interviewer (in der Folge I genannt): Aber gibt es denn überhaupt Schulen, in denen frau/man diesen Beruf erlernen kann?

 

X: natürlich nicht, die derzeitigen Schuldebatten sagen bekanntlich genug darüber aus, wie schlecht Kinder auf das wahre Leben vorbereitet werden. Es gibt zwar nach der Matura sogenannte MBA’s also Management and Business Schools – die Absolventen solcher privaten und teuren Schulen können mit einer gewissen Akzeptanz in der freien Wirtschaft rechnen – zum Spitzenmanager wird man dadurch nicht.

 

I: Und wie ist es Ihnen gelungen, dieses offensichtlich schwierige Schuldefizit zu überwinden und Ihre jetzige Stellung – oder vielleicht sogar Berufung – zu erlangen?

 

X: das war natürlich nicht so einfach, wie frau/man sich das oft vorstellt. Ein möglicher und nicht der schlechteste Schritt ist, wenn man jede Art von Schulbildung vorzeitig abbricht. Ich hatte schon als kleiner Bub in der Garage meines Vaters eine kleine eigene Firma gegründet, in der ich meine ersten Erfahrungen im Geschäftsleben insofern machte, als ich mir selbst eine Schokoladentafel kaufte und diese dann zu einem höheren Preis an mich – ich war eine Einpersonenfirma – heute würde man „Ich AG“ sagen, weiterverkaufte. Nach mehrmaligen solchen Transaktionen hatte ich gelernt, wie man Verluste macht und habe mich dann konsequenterweise selbst entlassen, als ich mich nicht mehr darüber aussah, die Verluste durch Anleihen, die ich meinen Schulfreunden verkaufte, in ein gewinnbringendes Geschäft umzuwandeln. Das waren harmlose Kinderspielchen, ich lernte aber für die Zukunft daraus, dass es erheblich besser ist, andere zu entlassen, als sich selbst.

 

I: Nun gut – das waren Kinderspielchen, wie Sie dies selbst so treffend formulierten. Was war dann der nächste Schritt?

 

X: Ja, der nächste Schritt war der schwerste und es ging – wenigstens in meinem Fall nicht ohne in eine Partei einzutreten und mich dort zu profilieren. In der Politik lernt man mit Menschen umzugehen, ihnen sozusagen aufs Maul zu schauen um dann Ideen zu verfolgen, die aus Budgetgründen sowieso unrealisierbar sind. Wenn frau/man dann von den Mitgliedern der eigenen Fraktion und von der Opposition eine Abfuhr erhält, muss frau/man sich irgendwann einmal sagen: „jetzt reicht’s“. Das wird vom Volk honoriert und man tritt von der politischen Bühne wegen seiner guten Ideen ab, die einem von der Politik – egal von welcher Seite – nicht bewilligt wurden.

 

I: Und wie geht es dann weiter?

 

X: Man sollte sich in einer nicht allzu große Firma, die gut floriert als Vorstand bewähren. Das macht zunächst für einen Vorstand wenig Arbeit, weil eh’ alles von selbst läuft und dann hofft man auf eine Wirtschaftskrise!

 

I: Verstehe ich Sie da richtig?

 

X: Ja – Sie haben mich richtig verstanden. Die Produkte der Firma sind ja nach wie vor gut, aber es kann eben nicht mehr so viel davon verkauft werden. Hier sind jetzt echte Managementfähigkeiten gefragt, weil frau/man zweierlei Ziele verfolgen muss, 1). den Abbau von Arbeitskräften und 2). die Pflege des Aktienkurses, der aber automatisch ansteigt, wenn die Produkte die man verkauft gut sind und die Wertschöpfung durch geringeren Personalkosten gesteigert wird. Frau/man kann sich dann dadurch auch ein etwas höheres Vorstandsgehalt einhandeln, bzw. es wird einem quasi nahegelegt ein solches zu akzeptieren, um nicht in eine andere Firma zu wechseln.

 

I: Interessant – und so wird frau/man dann also zum Spitzenmanager!

 

X: Nein – so einfach geht das nun auch wieder nicht – jetzt kommt der eigentlich entscheidende Schritt: frau/man legt seinen Vorstandsposten in der vorhin dargestellten Aktien-Hochphase nieder und steht für andere Aufgaben zur Verfügung. Wegen seines inzwischen erworbenen positiven Bekanntheitsgrades – die da sind: politische Erfahrung, die Fähigkeit durch einen harten Sanierungskurs eine Firma wieder auffangen zu können… und nicht zuletzt wegen seiner jetzt erhöhten Gehaltsansprüche, ist frau/man ab jetzt meist von mehreren Firmen, die in Schwierigkeiten gekommen sind, sehr gefragt und kann es sich aussuchen.

 

I: Was viele stört, ist der Verlust von Arbeitsplätzen – wie stehen Sie dazu?

X: Ja – das schmerzt schon, es muss aber fairerweise dazu gesagt werden, dass die Arbeitslosen jetzt von den steuerfinanzierten Sozialnetzen aufgefangen werden. Mit den Steuerzahlern habe ich deswegen kein besonderes Mitleid, weil es ja schließlich die Steuerzahler waren, die durch ihre Konsumverzichte an der Wirtschaftskrise beteiligt sind – aber jede Krise hat einmal ein Ende und dann wird die Arbeitslosenzahl ja wieder sinken. Ein Spitzenmanager muss immer das Wesentliche im Auge behalten und da sind ein paar Arbeitslose mehr oder weniger belanglos.

 

I: Hm – das klingt alles sehr glaubhaft. Und wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

 

X: Darüber möchte ich derzeit aus begreiflichen Gründen nicht sprechen – es laufen derzeit gerade viele Verhandlungen.

 

I: Danke, Herr X und weiterhin guten Erfolg.

 

 

 

(Version 15.4.2013)

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