Philosophenwege

 

Abstraktion einer Landschaft (c) Alfred Rhomberg

 

 

Nicht jeder Weg ist ein "Philosophenweg" und manchen ehemals berühmten Philosophenwegen haftet oft nur noch der Nimbus an, einmal ein solcher Weg gewesen zu sein. Da fällt einem z.B. der weltbekannte Philosophenweg oberhalb der Stadt Heidelberg ein, der in früheren Zeiten zum Nachdenken angeregt haben mag. Heute ist dieser Weg zwar ein "Muss" für jeden Heidelberg-Touristen, trotz des herrlichen Blickes auf die Stadt Heidelberg und das Neckartal lädt dieser Weg längst nicht mehr zu jenem inspirativen Nachdenken ein, dem wir so manche philosophische oder naturwissenschaftliche Erkenntnis verdanken. Der moderne Stadttourismus hat aus dem Philosophenweg eine Flanierstraße inmitten europäischer, japanischer und amerikanischer Gruppen von TouristInnen gemacht, sodass sich keine philosophischen Gedanken mehr einstellen wollen. Ich wohnte fast 30 Jahre in der Nähe Heidelbergs und bin diesen Weg oft gegangen - der Blick auf Heidelberg und die Ruine des alten Heidelberger Schlosses ist herrlich, in der Masse der TouristInnen war Nachdenken über "Gott und die Welt" leider nicht mehr möglich - es genügte mir, den Berufsalltag der chemischen Großindustrie zu vergessen.

 

Was macht einen Philosophenweg aus?

 

Der Weg muss zur Ruhe einladen und sollte in eine schöne Landschaft eingebettet sein. Die schöne Landschaft ist deswegen so wichtig, weil zumindest mir, sonst nur triste Gedanken einfielen, ich aber der Tristesse unserer realen und geistigen Welt entfliehen möchte. Ist diese Denkweise nicht im Grunde unreal? Aus meiner Sicht nicht - Realität ist vermutlich nichts anderes als die Art, wie wir die mannigfaltigen Gegebenheiten unseres Alltags in unserem Gehirn interpretieren. Folgt man dieser Denkweise, ist es verständlich, dass Ereignisse aller Art vor dem Bildschirm des Fernsehgerätes, der nicht nur während der täglichen Nachrichten die traurigen Realitäten unserer Welt überspitzt, sondern auch auch in unbegreiflich beliebten Krimiserien "Unterhaltung" liefert. Ist meine eigene (vielleicht" unreale") Realität daher vielleicht ein Verdrängungsprozess? Das mag sein - nachdem die Zahl an Realitäten auf unserer Erde jedoch unendlich groß ist, scheint es gerechtfertigt, oder sogar notwendig, eine persönliche Selektion zu treffen - und genau dies versuche ich auf meinen "Philosophenwegen".

 

Ein Tiroler Philosophenweg - von Igls nach Patsch

 

Von Igls, einem schönen, etwas trägen Touristenort oberhalb Innsbrucks ausgehend, gibt es viele Wanderwege, die für jugendliche "Jogger", nachmittägliche Spaziergänger und für kontemplative Wanderer - allerding zu unterschiedlichen Tageszeiten - gleichermaßen reizvoll sind.

Morgens und abends ist der Fernkreuzweg von Igls nach Patsch für den nachdenklichen Wanderer besonders reizvoll, weil er sich den Weg nicht mit anderen teilen muss und mit seinen Gedanken allein ist. Ähnlich mag auch der eingangs beschriebene Philosophenweg oberhalb von Heidelberg in früheren Zeiten zum Nachdenken angeregt haben.

 

Mein "Philosophenweg" bietet mit seinen verschiedenen Varianten ein Panorama, das aus sanften Hügeln, Wiesen und Äckern zusammensetzt ist, in das alle Innsbrucker Hausberge harmonisch eingebettet sind. Der Blick auf die Stubaier Gletscher, die Serles, den Habicht, die gesamte Nordkette oberhalb Innsbrucks und der weiter entfernten "Hohen Munde" verändert sich zu jeder Tages- und Jahreszeit und bei jedem wetter - langweilig ist der Weg nie.

 

Wanderungen in einer schönen Landschaft sollte frau/man gelegentlich alleine machen, nur dann schwinden die Probleme des Alltags und in dem Maße, als sich unsere Gedanken mit den Bildern der Landschaft mischen, sind wir für neue Gedanken frei und ein Weg wird zum Philosophenweg.                  

Weg von Igls nach Patsch - (c) Foto Alfred Rhomberg

 

Es gibt viele vergleichbare Wege auf dieser Erde - ich lebe in Igls/ Tirol und daher ist der beschriebene Weg einer meiner "Philosophenwege".                             

 

Anm.: die Eingangsgrafik enthält die Farben der reifen Maisfelder, der Wiesen und die Silouetten der abendlich blauen Bergketten.

 

(2012)

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