Neues über Tiroler Bergschafe – es gibt sie!

 


Schafe (einschließlich Tiroler Bergschafe) - © Foto Alfred Rhomberg

 

 

Anlass des früheren Beitrags „Wissenswertes über das Tiroler Bergschaf“ war ein an mich falsch adressiertes Exemplar einer Zeitung des Verbandes über Bergschafzucht, seither habe ich ein Bergschafsyndrom: am Ortsanfang von Igls sind Fahnen an Masten aufgehängt, die durch den Wind infolge ihrer Aufhängung bewegt werden und Geräusche verursachen, die den Glocken weidender Kühe oder Schafe sehr ähnlich sind. Bei diesen Klängen fühlt man sich richtig heimelig und assoziiert die nicht vorhandenen Schafe ganz einfach in seine Gefühlswelt – und schon stellt sich das Gefühl ländlicher Geborgenheit ein.

 

Im Herbst letzten Jahres schwoll die Intensität der Geräuschkulisse plötzlich stark an – es war Föhn und da können sich die tirolischen Flaggen schon einmal etwas stärker bemerkbar machen. Als ich jedoch am nächsten morgen aus dem Fenster sah, traute ich meinen Augen nicht. Auf der etwa 50 Meter weit von meinem Arbeitszimmer entfernten Wiese gab es tatsächlich Schafe. Doch nicht genug – bei Wanderungen in der Umgebung von Igls traf ich überall immer wieder auf Schafe, Schafe und wieder Schafe (d.h. bei einer Schafgruppe war ich mir nicht ganz sicher ob es nicht Ziegen waren) – ich bin ja überhaupt erst durch die fehlgeleitete Postsendung auf das Thema „Schafe“ aufmerksam geworden und fühle mich immer noch als Anfänger was diese Schafe betrifft. In den folgenden Tagen beobachtete ich diese liebenswerten und wohlschmeckenden Tiere immer wieder und stellte fest, dass Schafe einschließlich eines Schäfers mit dazu gehörigem Hund anscheinend in Mode gekommen waren – überall auf meinen Wanderwegen gab es Schafe. Aufgrund der nur einmaligen Zusendung des Journals für Bergschafe konnte ich natürlich nicht auf Anhieb entscheiden, ob es sich bei den beobachteten Tieren tatsächlich um Tiroler Bergschafe oder ganz normale Schafe handelte (Ziegen kann ich inzwischen recht gut von Schafen unterscheiden). Eine Internetsuche über das „Tiroler Bergschaf“ resultierte in der Feststellung, dass es a) Tiroler Bergschafe gibt und b) dass es sich zumindest bei einem Teil der von mir beobachteten Schafe um solche handelte. Dem Internet kann man sogar entnehmen, wie diese Tiere zustande kommen (weniger an Schafen interessierte Leser können die nachfolgenden Zeilen der Anmerkung überspringen:

 

Anm.: “Das Tiroler Bergschaf ist züchterisch im wesentlichen aus zwei Rassen hervorgegangen, dem Bergamaskerschaf aus dem Norden Italiens, einem großrahmigen Schaf mit langem Rücken und tiefem, breitem Körper und den charakteristischen großen und breiten Hängeohren und den, in den Gebirgsländern häufig gehaltenen kleinen, aber sehr fruchtbaren Steinschafen. Das Bergschaf ist in der Abgeschiedenheit der Gebirgstäler Österreichs und der Schweiz weitergezüchtet worden und hat, vor allem durch Selektion, die heute bestehenden Zuchtmerkmale bekommen, die es gegenüber anderen Schafrassen auszeichnet. Die Schafe werden innerhalb der Hornträger (Bovidae) in die Unterfamililie der Ziegenartigen (Caprinae) eingeordnet. Entgegen früheren Vermutungen dürften sie mit den Ziegen nicht allzu nahe verwandt sein.” (Zitat aus der Wikipedia-Enzyklopädie)

 

Nach dieser Beschreibung war es jetzt ganz einfach festzustellen, dass es sich bei den gesichteten Schafen zu etwa 65 Prozent um echte Tiroler Bergschafe handelte. Bei einer kleinen Wanderung durch die schafübersäten Wiesen wurde ich mir plötzlich der Gegensätzlichkeiten unserer modernen Welt bewusst. Ich hatte zuhause in den Nachrichten gerade wieder die täglichen Nachrichten über die derzeit tobenden Bankenkrisen gehört und mir die bekannten Bilder der Börsenmakler an den Weltbörsen als Gegenwelt zur geruhsamen Arbeit eines Schäfers vorgestellt. Die Unterschiede könnten nicht größer sein – das hat nichts mit der Schäferromantik früherer Epochen zu tun – es gibt diese Gegenwelt offenbar auch heute noch. Allerdings weiß ich nicht, ob die gerade beobachteten Schäfer sich am Abend nicht ebenfalls in den Nachrichten über die täglichen Finanzkatastrophen informieren – vielleicht haben sie ja sogar Aktien oder Optionen auf steigende Schafpreise? In letzterem Fall wären auch sie von den derzeitigen Finanzkrisen betroffen – denn bei einer allgemeinen Rezession können sich auch schafbezügliche Optionen auf steigende Schafpreise nicht dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen. Natürlich wissen die Tiroler Bergschafe nichts davon, dass sie plötzlich über Nacht erheblich an Wert verloren haben, sonst würden sie ebenso depressiv aussehen, wie manche Immobilien in den USA, die plötzlich nichts mehr wert waren. Gestern hat mich ein Schaf aus der Herde ausgesprochen traurig angeschaut als ich es fotografieren wollte, so als wollte es mir sagen „du bist auch so einer der an allem Schuld ist“. Dieser traurige Blick machte mich selbst so depressiv, dass ich beschloss, mir ein reguläres, d.h. bezahltes Folgexemplar der Zeitung des Bergschafzuchtverbandes zu kaufen.

Was erwartete ich mir davon?

 

Nur wer den Gegenstand seiner Depression kennt, kann sich ihrer möglicherweise entledigen.

 

(Version 7.3.2014)

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