Landleben II – saisonbedingte Unterbeschäftigung von Kühen
 

unterbeschäftigte Kuh - © Foto Alfred Rhomberg

 

 

Landleben findet in Tirol vom 1. Januar bis zum 31. Dezember statt. Da sich dies infolge der niedrigen Milchpreise für Bauern kaum mehr lohnt, wurde das Problem vom Tourismusverband als dringend erkannt und wird derzeit dementsprechend von diesem Verband gesponsert, was keine dauerhafte Lösung sein kann (obwohl Kühe nach Meinung des Tourisnmusverbandes für das Landleben unverzichtbar sind).

 

In Tirol gibt es trotz der Wirtschaftkrise immer noch eine wirtschaftlich nicht unbefriedigende Zahl an TouristInnen, die das Landleben schätzen – die in Frage kommenden TouristInnen sind jedoch nicht über das ganze Jahr gleichmäßig verteilt. Auf ItalienerInnen und RussInnen kann sich die Region vorläufig noch verlassen, sie besuchen Tirol während des ganzen Jahres als Top-Destination, schätzen aber die Produkte des Landlebens eher saftig gebraten auf den Tellern der Gastronomiebetriebe. Deutsche Gäste, die das Hauptgeschäft des Tourismus ausmachen und zudem das Landleben (neben den Tiroler Bergen und volkstümlichen Bräuchen) am meisten schätzen, besuchen uns nur in der „Saison“, sodass auch das Tiroler Landleben, wie die gesamte Tourismusindustrie, saisonalen Schwankungen unterworfen ist. Das hat zur Folge, dass sowohl Bauern als auch Kühe zeitweise unterbeschäftigt sind. Lässt sich dieses Problem bei den Bauern durch Kurzarbeit noch einigermaßen lösen, so ist Kurzarbeit für Kühe fast unmöglich. Man kann sie auch nicht einfach saisonal entlassen oder umschulen – zu was sollte man eine Kuh auch umschulen? Michi, der Jungbauer und seine Frau, die Jungbäuerin, haben das Problem nicht nur erkannt, sondern teilweise auch im Griff – beide sind als SchilehrerInnen in der Wintersaison gefragt, die Jungbäuerin ist zudem wegen ihrer Rundungen ein beliebtes Fotomodell für den jährlich erscheinenden Jungbauernkalender. Nur die armen Kühe machen Michi Sorge – man kann sie nicht einfach im sogenannten „Touristenloch“ schlachten und in der Hauptsaison durch neue Kühe ersetzen. Es sind Wesen wie wir, die man nicht so einfach wirtschaftlichen Gegebenheiten oder Ungegebenheiten opfern darf – dazu sind Tiroler Bauern nicht fähig!

 

Der bekannte deutsche Consulting-Experte und Leiter der Consultinggesellschaft Landmann und Söhne, der mit seiner Frau jedes Jahr seinen Urlaub in einem Tiroler Bauernhof verbringt, hat das Problem mit dem Jungbauern Michi analysiert und schrieb daraufhin an die Mitarbeiter seiner Consultingfirma folgenden Brief:

 

Liebe Mitarbeiter und Innen,

wir verbringen wieder einen herrlichen Urlaub auf unserem geliebten Bauerhof in Tirol und grüßen Sie alle  herzlich. Bitte arbeiten Sie bis zu meiner Rückkehr ein menschlich soziales Konzept aus, wie saisonal unterbeschäftigte Kühe gewinnbringend in eine staatlich geförderte Auffanggesellschaft eingebracht werden können. Ich erwarte von unserem Unternehmen angemessene Lösungsvorschläge und möchte – wenn auch widerstrebend – nicht verhehlen, dass bei meiner Rückkehr mangelhafte kreative Vorschläge personelle Konsequenzen nach sich ziehen könnten.

Mit freundlichen Grüßen aus einem angenehmen Urlaub,

Landmann

 

P.S. Eine exakte Betriebsanalyse, sowie alle benötigten Daten sind diesem Schreiben angefügt.

 

(8.8.2014)

 

 

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