Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh…

 


Karl v. Lutterotti (1793 - 1872): Das Imster Schemenlaufen auf dem Marktplatz um 1820/30, aus der webside http://www.brauchtumsseiten.de/a-z/s/schemenlaufen/home.html

 

 

„Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,
sie trinken ein Gläschen und machens dann so“.

 

Dieses einfältige kleine Volksliedchen hatte mich schon im Kindergarten in Hannover, wo ich die ersten Jahre meines Lebens zubrachte, irritiert, zumal mir mein Vater als Tiroler keine umfassenden Auskünfte geben konnte, was das mysteriöse „und machens dann so“ bedeutete. Erstaunlich auch, dass das Lied wesentlich später einem ägyptischen Studienfreund bekannt war. An die Folgezeilen des Liedes konnte ich mich natürlich nicht erinnern, doch auch die jetzt recherchierten Folgezeilen(1) geben keinerlei Aufschlüsse zum Innenleben der Tiroler(Innen). Etwas verblüfft hatte mich nach meiner geschlossenen Bildunglücke die Herkunft des Liedes, welches von dem Theatergenie Emanuel Schikaneder (1748 - 1812) stammt, der neben vielen Theaterstücken und Opernlibretti (ca. 44) auch das Libretto von Mozarts Zauberflöte geschrieben hatte.

 

Vermutlich hat Schikaneder die „Tiroler“ nicht wirklich gekannt bzw. das Wesen dieses Bergvolkes schlampig recherchiert, denn die Tiroler waren damals vermutlich ganz und gar nicht lustig und sind es auch heute nur eingeschränkt. TirolerInnen haben viele positive Eigenschaften, auf die ich als Tiroler aus Bescheidenheitsgründen selbstverständlich nicht näher eingehen möchte – richtig lustig sind sie nicht, jedenfalls nicht in dem Sinne jener am 11.11. beginnenden und am Aschermittwoch endenden rheinländischen Lustigkeit.

 

Was ist für TirolerInnen (vielleicht) lustig?

 

► Das Imster Schemenlaufen – in der Form der Bloggrafik um 1820/1830? Diese Zeiten sind vorbei, heutigen Brauchtumsveranstaltungen haftet meist tierischer Ernst an, was Tourismusmanager naturgemäß anders sehen.

 

► Törggelen? In der heutigen Form sicher nicht mehr – organisierte Reisen mit Fraß und Völlerei sind selten "lustig".

 

► „Graukas“ (Graukäse) mit viel Bier oder Wein? In der richtigen Runde können Ansätze von Lustigkeit aufkeimen, die jedoch sofort durch die Diskussion abgeblockt werden, welche Berg- oder Schi-Tour frau/man am nächsten Sonntag macht.

 

► „Watten“ (ein Tiroler Kartenspiel)? Das Spiel ist genauso bitterernst wie „Skat“ in Deutschland.

 

Ansonsten fällt mir nicht viel ein – vielleicht habe ich trotz (oder gerade) wegen langer Auslandaufenthalte vermutlich zu wenig tirolische Fantasie/ Lustigkeit?

 

Was ist überhaupt lustig?

 

Die Frage ist schwer zu beantworten, leichter wäre zu definieren, was nicht lustig ist: schlechte Witze, zeitgenössisches Kabarett (m.E.), „Comedy“, mediale Verdummung und die zahllosen pseudolustigen Sprüche, die im Internet für jeden Anlass zu finden sind…

 

Lustigkeit darf nicht mit Humor verwechselt werden, dafür gibt es bis heute noch keine wirklich treffende Definition außer einem Wikipediazitat(2).

 

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(1) Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,
sie trinken ein Gläschen und machens dann so.

 

Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,
sie verkaufen ihr Bettchen und schlafen auf Stroh.

 

Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,
sie nehmen ein Weibchen und tanzen dazu.

 

Erst dreht sich das Weibchen, dann dreht sich der Mann,
dann tanzen sie beide und tanzen zusamm'.

 

Text: Emanuel Schikaneder (1748 – 1812), Musik: Wenzel Müller (1767 – 1835)

 

(2) Humor (lat. (h)umor „Saft, Feuchtigkeit“; in der Antike im Sinne von der richtigen Mischung der Körpersäfte, die zu einer guten Stimmung verhilft) gilt auf den ersten Blick als eine Fähigkeit, ein Lachen hervorrufen zu können bzw. selbst zu lachen. Als humorvoll werden daher oft Personen bezeichnet, die andere zum Lachen bringen oder selbst auffällig häufig „die lustigen Dinge einer Situation“ zum Ausdruck bringen- (Zitat aus der Wikipedia Enzyklopädie)

 

 

(23.5.2013)

 

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