Musikaufnahme- und Wiedergabegeräte – ein Rückblick

 


Nederlands: AEG Magnetophon 75, Author Paul Hermann, own work. Wikipedia, Public Domain
REVOX Taperecorder 1985, Wikipedia, Public Domain - eines der besten Magnetophone für den Heimgebrauch

 

 

Jüngere Generationen warten ungeduldig auf verbesserte Smartphones oder Tabletcomputer – außer unbedeutende Verbesserungen (z.B. mehr Speicher für mehr Apps, höhere Pixelzahl der Cameras, etc.) sollte man in der nächsten Zeit jedoch nicht zu viel erwarten, zumindest zeichnen sich keine bahnbrechenden Innovationen auf diesem Konsummarkt ab. Dieser Beitrag soll einen Rückblick in die Vergangenheit wiedergeben, die der Autor aus seiner Sicht viele Jahrzehnte und stets mit technologischen Entwicklungen und „Kultur“ im weitesten Sinn eng verbunden, erlebt hat.

 

Ziemlich zu Beginn meines Chemiestudium (1954) gehörten Physikpraktika über wesentliche Schaltungen von Elektronenröhren und Röhrenverstärkern zum Pflichtteil des Studiums.

Man lernte, wie eine Röhre als Gleichrichter oder als Verstärkerröhre verwendet werden kann, sodass einige von uns Studenten sich ihre erste Stereo-HiFi Anlage danach selber bauten, was zu dieser Zeit wegen der hohen Gleichspannung von 100 Volt a) nicht ungefährlich war und b) zusätzliche Kosten bereitete. Das änderte sich bekanntlich später schlagartig nach der Erfindung der Transistoren und Thyristoren (Betriebsspannung: je nach Art der Verwendung ca. 3 – 6 V Batteriespannung).

 

Anm.: Der Transistor wurde bereits 1949 erfunden, jedoch waren diese kleinen Wunderwerke in den 60-iger Jahren frei verkäuflich. Thyristoren sind steuerbare Leistungshalbleiter-Bauelemente für große Leistung (sie wurden nach Vorarbeiten 1957 durch die Bell-Laboratories zunächst von General Elektrik gebaut).

 

Die ersten Tonwiedergabegeräte sollen hier nicht mehr erwähnt werden, besonders wichtig war die Erfindung des Magnetophons.

 

Das Magnetophon

 

Das Magnetophon wurde nach längeren Entwicklungsarbeiten 1935 bei der 12. „Großen Deutschen Funkausstellung“ gemeinsam von AEG und der BASF als „Magnetophon K1“ vorgestellt. Das Interesse war zwar groß, man war aber durch die geringe Tonqualität (Rauschen und Begleittöne durch Netzgeräte) zunächst der Meinung, dass der wesentliche Nutzen in der Aufnahme von Diktaten liege. Die Tonqualität verbesserte sich relativ schnell und seit der ersten Tonaufnahme eines Konzertes der Londoner Philharmoniker unter Sir Thomas Beecham interessierten sich die Rundfunkanstalten für das neue Aufnahme- und Wiedergabegerät (ein Magnetophon K4), das bald von vielen Herstellern unter dem Namen „Magnetphon“ produziert wurde.

 

Magnetophone waren für den Privatgebrauch 1960 noch recht teuer, ich besaß jedoch unter Aufwendung aller Mittel (durch ein geringes Assistentengehalt und durch meine erfolgreiche kleine Jazzband) bereits ein derartiges Gerät, das zwar noch nicht „Studioqualität“ besaß, aber recht brauchbar war. Rundfunkanstalten benutzten inzwischen Geräte mit 5 cm breiten Bändern, die aufgrund der breiten Bänder und der dadurch möglichen großen Dynamik lange Zeit als Quelle zur Aufnahme ganz hervorragender Musikaufnahmen nach Einführung der CD (zunächst in AAD oder ADD-Qualität) dienten. Diese Aufnahmen klingen wegen der dynamischen Möglickeiten der Studiobänder auch heute noch oft besser als perfekte Aufnahmen in DDD-Qualität.

 

Anm.: Eines der besten Magnetophone für den Heimgebrauch war das oben abgebildete REVOX-Gerät (1985)

 

Deutlich langwieriger war die Entwicklung brauchbarer Kassettenrekorder, bis die ersten Geräte jene Qualität aufwiesen um als HiFi-Komponente das Magnetophon zu ersetzen.

 

Ein großer Wurf war der sogenannte „Walkman“ von Sony, ein kleiner Kassettenrekorder bei dem die gleichen Compakt- oder Audiokassetten verwendet wurden wie bei den größeren HiFi Stereokomponenten. Der Walkman hatte seinerzeit „Kultstatus“ bis dann die digitale CD erfunden wurde. Auch hier entwickelte Sony sofort ein Kleingerät, den „Diskman“, der sehr bald nach Erfindung der mp3-Kompessionstechnik schon wieder an Bedeutung verlor, obwohl die neueren Exemplare dieses Datenformat wiedergeben konnten. Selbst den nachfolgenden Minidisk-Recordern und einem sogenannten digitalen kleinen DAT-Recorder für sehr hochwertige Aufnahmen, war nur eine kurze Lebenszeit beschieden - seit etwa 1990 nahm die Bedeutung von Kassettenrekordern stetig ab, heute sind sie vom Markt praktisch verschwunden, ebenso wie die kleinen mp3-Player, die heute durch Smartphones ersetzt werden die bekanntlich sehr viel mehr können als nur damit zu telefonieren, Internetbenutzung und E-mails zu schreiben - die Musikwiedergabe in mp3 ist selbst für hohe Ansprüche (gute Kopfhörer vorausgesetzt) durchaus befriedigend.

 

Anm.: Die Firma SONY kämpft heute damit, den Anschluss nicht zu verlieren, sie ist stark verschuldet und führt derzeit einen Schrumpfungsprozess durch. Das kann bei der Kurzlebigkeit heutiger Produkte und wegen des Fehlens wirklich innovativer Ideen auch vielen anderen IT- bzw. technologisch ausgerichteten Konsumartikel-Konzernen passieren.

 

Mirkrophone: Ein derartiger Beitrag wäre nicht vollständig, wenn nicht auch zumindest einige Zeilen über Mikrophone als "Aufnahmegeräte" eingefügt würden.

Grundsätzlich wird zwischen "dynamischen" und Kondensatormikrophonen unterschieden. Dynamische Mikrofone arbeiten im Prinzip nach dem Lautsprecherprinzip (nur umgekehrt). Die Schwingungen einer Membran erzeugen indirekt einen Induktionsstrom durch eine Spule in einem Magnetfeld. Die besten Geräte waren früher Mikrophone der Firma Sennheiser. Kondenstormikrophone arbeiten nach einer komplizierteren Technik, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Diese Mikrophone waren anfangs wesentlich schlechter als dynamische Mikrophone, sie wurden aber so verbessert, dass sie heute fast ausschließlich als Studiomikrophone eingesetzt werden. Auch dynamische Mirkrophone werden nach wie vor verwendet - hauptsächlich für live-Aufnahmen.

 

Wie geht es weiter?

 

Hervorragende Musikwiedergaben (sogar mit Bild) sind durch moderne High-Density-Fernsehgeräte und Live-Streaming längst Realität, die Bildschirmdiagonalen werden immer größer – all das wird sich weiter entwickeln, echte Innovationen sind das jedoch nicht, weil dies alles im Bereich der heute vorhandenen technischen Voraussetzungen liegt. Es ist schwer, sich weitere bahnbrechende Entwicklungen vorzustellen – allerdings: wer konnte sich zur Zeit der Erfindung des Magnetophons die späteren innovativen Geräte der Digitaltechnik (Digital-Mikrophone und CD-Player) vorstellen? Es liegt im Wesen echter Innovation, dass sie nicht vorhersehbar ist.

 

P.S. Wie fast auf allen Gebieten unserer modernen technologischen Entwicklungen, erhöhen sich auch die Gefahren mit diesen neuen Technologien. Verbesserungen der Musikaufnahme und Wiedergabe, die früher eher von wirklichen Musikliebhabern geschätzt wurden, sind heute zum selbstverständlichen Allgemeingut geworden. Die damit verbundene Desensibilisierung der jüngeren Generation in ihrer Musikrezeption ist durch die vielen Quellen (u.a. youtube) bereits deutlich bemerkbar. Näheres hierzu "Die Oper zuhause - Live- Streaming und die Folgen" 

 

 

(14.5.2014)

 

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