Gespräch mit meinem Verleger

 
ISO 31 - © Alfred Rhomberg, Acryl

 

 

Lieber AR, finden Sie nicht auch, dass es im Gegensatz zu Ihren früheren Arbeiten hier etwas an Glaubwürdigkeit fehlt?

 

AR: Das finde ich nicht – im Gegenteil, je öfter ich mein Manuskript durchsehe, desto mehr rückt die Glaubhaftigkeit der Inhalte meines Romans in den Vordergrund, was mich zunehmend beunruhigt, weil echte Literatur doch stets etwas Unglaubhaftes in sich birgt – schließlich bin ich kein Sachbuchautor!

 

Verleger: Sie irren sich - ich habe in letzter Zeit kein Sachbuch in den Händen gehabt, dass ich tatsächlich als vollkommen glaubhaft bezeichnen würde – alles Geschwätz und Gemeinplätze!

 

AR: Umso eher dürften Sie die Glaubhaftigkeit der Handlungsweisen meines Protagonisten nicht als Argument ins Spiel bringen – er handelt in jeder Weise glaubhaft und zeitgeistgemäß!

 

Verleger: Das mag schon sein – und doch ist dies gerade das Unglaubwürdige, das ich bemängle – Literatur muss – wie Sie selbst sagten, immer etwas Unglaubhaftes in sich bergen! Ich überlege gerade, ob wir Ihren Roman nicht im Sachbuchgenre, quasi als Sachbuch, ansiedeln sollten – damit wären wir das lästige Zeitgeist- und Unglaubwürdigkeitsproblem ein für alle mal los…

 

AR: Hm - wenn Sie meinen, dass unser Zeitgeist dies toleriert – immerhin gibt es auch heute noch Menschen, die lesen können!

 

Verleger: Das wäre mir an sich egal, Bücher sind dazu da, um auf Buchmessen präsentiert werden zu können - eine ausreichende Zahl von LeserInnen findet sich dann fast automatisch!

 

AR: Sie haben den Zeitgeist – ich möchte zwar nicht sagen 'richtig', jedoch treffend eingeschätzt – so gesehen wäre ich als Nicht-Zeitgeistautor mit einer Veröffentlichung meinerseits einverstanden. Ich danke Ihnen jedenfalls für den Zeitgeist-Tip. Mein nächstes Buch wird vermutlich in der Zukunft spielen, in welcher die Protagonistin zukunfts-zeitgeistgemäß, infolge des dann herrschenden Zeitgeistes, der sich hauptsächlich mit der unmittelbaren Vergangenheit beschäftigt, so in Depressionen verfällt, dass sie sich mit suizidalen Gedanken trägt und nur vom Mainstream der neuen Zeit wieder aufgefangen wird.

 

Verleger: Prima – also dann bis zu nächsten Buchmesse!

 

 

(8.11.2014, völlig überarbeitete Fassung aus 26.7.2012)

 

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