Die Geschäftsidee

 

 

Atombombendesign - (c) Wikipedia, Public Domain

 

Einer meiner Freunde und ich haben eine kleine Atombombenfabrik gebaut, nichts besonderes, es ist nur eine ganz kleine Fabrik – für mehr hätten unsere Ersparnisse nicht gereicht. Wir betreiben damit ein kleines Nischenunternehmen und stellen ganz winzige Atombomben her, die nicht viel anrichten, weil wir unsere kleinen Atombomben nicht mit angereichertem Uran füllen – das müssen die Kunden schon selbst bewerkstelligen – Autohersteller füllen ihre Autos ja auch nicht mit Benzin. Gut – Atombomben sind keine Nutzfahrzeuge, aber die Zahl der Verkehrstoten durch Autos beträgt jährlich nach einer Schätzung der WHO (2003) mehr als 1,2 Millionen und die Zahl der Verletzten wird jährlich weltweit auf etwa 40 Millionen angesetzt. Das sind erheblich mehr als in Kriegen sterben und sehr viel mehr als bisher jemals durch Atombomben getötet wurden.

 

Anfänglich hatten wir beim Bau unserer kleinen Fabrik natürlich Probleme mit den Behörden und Atomwaffengegnern. Die Behörden konnten wir schließlich überzeugen, weil uranlose Atombomben wirklich ganz ungefährlich sind und auch die Zahl der Protestierer hat stark abgenommen. Häufig werden wir gefragt, wie viele Atombomben wir so pro Jahr verkaufen und niemand will uns glauben, dass wir bis jetzt noch keine einzige Bombe verkauft haben. Wir leben ganz gut von Summen, die uns ausländische Geheimdienste dafür zukommen lassen, dass wir unsere Produkte nicht an ihre jeweiligen Gegner verkaufen. Selbstverständlich versteuern wir diese Einkünfte – obwohl das Finanzamt unsere Steuern anfänglich gar nicht annehmen wollte, weil wir die Herkunft der Gelder selbstverständlich nicht deklarieren dürfen. Heute ist das Finanzamt über unsere Einnahmen froh und unsere kleine Gemeinde könnte ohne unsere Fabrik gar nicht mehr existieren, weil ein Teil der Steuereinnahmen ja an sie zurück fließt und Arbeitsplätze geschaffen werden.

 

Auch sonst hat es sich gelohnt, unsere Ersparnisse in das kleine Unternehmen zu investieren. Als erfolgreicher Unternehmer tritt man in einer kleinen Gemeinde ganz anders auf – man wird überall geachtet. Demnächst werden wir den nächsten Marketingfeldzug starten und unsere Produkte als Bioatombomben vermarkten, weil unsere Produkte ja völlig ungefährlich sind und nur aus biologisch einwandfreien, nicht genmanipulierten Materialien bestehen (Eisen und ein paar andere harmlose Zutaten) – mit Bioprodukten kann man gegebenenfalls immer punkten.

 

Ein Consulting-Unternehmen empfahl uns letzthin, parallel eine zweite Produktlinie mit kleinen uranangereicherten Atombomben aufzubauen. Man sieht, dass solche Unternehmen von Nischenbetrieben oft keinerlei Ahnung haben – alles was wir in mühevoller Arbeit aufgebaut haben, würde dadurch mit einem Schlag vernichtet werden.

 

Vielleicht werden wir unsere Produktpalette später um kleine harmlose Wasserstoffbomben erweitern – harmlos deswegen, weil wir sie zur Initialzündung mit unseren uranlosen Atombomben füllen, sodass die hohen Temperaturen, ohne die eine Kernfusion von Wasserstoff zu Helium nicht möglich ist, gar nicht auftreten können. Unsere Wasserstoffbomben könnten daher nicht wirklich funktionieren. Also wieder völlig harmlos – niemand braucht sich zu ängstigen. Man muss nur findig sein: wenige Tage nach der Wende (1989) kamen gutverschweißte Konservendosen in den Handel in welchen die letzte DDR-Luft eingeschlossen war.

 

Unser Geschäftsmotto ist: ALLES WAS MAN WEGLÄSST MACHT DIE DINGE EINFACHER und BIOLOGISCH WERTVOLL! Wir hätten noch einen Schritt weiter gehen und hinzufügen können: “Das biologisch Wertvollste ist das NICHTS” – aber das passt nicht in eine innovative Geschäftsidee!

 

Alles in allem können wir ganz gut leben und in Ruhe unserem Biotod entgegensehen – wir haben jedenfalls keine Angst vor der Globalisierung, solange es noch Geheimdienste gibt! 

 

 

 

(3.9.2014, redigierte, gekürzte Fassung von 2012)

 

 

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