Verheißung in der Starre der Gesteinswelt
 
 
Verheißung in der Starre - © Alfred Rhomberg

 

 

Vor langer Zeit glaubten die Menschen, irgendwie besser geworden zu sein. Sie hatten die Philosophie erfunden, d.h. sie dachten über die Dinge im Allgemeinen und Besonderen und vor Allem über sich selbst nach. Sie erfanden die Musik, die Literatur und alle schönen Künste und schließlich auch die Technik. Besonders auf die Technik waren sie sehr stolz, weil sie glaubten, durch technische Errungenschaften nun mehr Zeit für die von ihnen entwickelten schönen Künste zu haben. Das stellte sich bald als Irrtum heraus: 1) ist Technik anfällig und muss ständig repariert oder sogar verbessert werden, und 2) hatten die Menschen ihre Schulsysteme durch Weglassung von Bildungselementen durch „Verdünnung“ so verbessert, dass sie für anspruchsvolle Literatur und Musik gar keine Verwendung mehr hatten. Die Verschlankung der Bildungssysteme war erforderlich, weil die Jugend ständig mehr Lehrinhalte zur Verbesserung der immer komplizierter werdenden Technik benötigte. Anstatt ein „Artphone“ zu erfinden, erfanden die Menschen das Smartphone, weil dadurch viele notwendige Prozesse des täglichen Lebens so automatisiert werden konnten, dass auch die Philosophie bzw. das Nachdenken über die Dinge überflüssig wurde. Ganz allmählich erstarrte das Innere der Menschen und nahm zunächst das Wesen von harten metallischen Maschinen an, die nach und nach versteinerten und schließlich zu starren kristallinen Strukturen wurden. In jedem Gefüge gibt es glücklicherweise Fehlstellen, so auch hier: in einer solcher Fehlstellen gab es ein übersehenes menschliches Strukturelement, das wiedererwachte und sich plötzlich zu erinnern begann. Zuerst waren die Erinnerungen nur sehr vage aber langsam entstanden Risse in der starren Gesteinswelt und die Phantasie begann wiederzuerwachen, solange bis plötzlich ein eigenartiges Leuchten nicht mehr zu übersehen war. Aus dem Leuchten wurden zunehmend intensivere Strahlen, bis sich eine gelbe Kugel sonnengleich formte und in dem unorganischen Gestein wieder organisches Leben bis zum Menschsein auferweckte. Es war wie eine Verheißung für die neuen Menschen, die sich vornahmen, die gleichen Fehler nicht noch einmal zu wiederholen - aber wie das mit guten Vorsätzen leider ist:

 

„Gute Vorsätze sind Schecks, auf eine Bank ausgestellt, bei der man kein Konto hat“  (Oscar Wilde)

 

(1.7. 2017)

 

 

 

"Kulturforum-Kontrapunkt" - Index/ HOME
Druckversion Druckversion | Sitemap
Impressum: inhaltlich verantwortlich Dr Alfred Rhomberg, Der Name des Magazins "Igler Reflexe" sowie alle Inhalte unterliegen dem copyright von Dr. Alfred Rhomberg, bei Bildinhalten gilt das jeweilige copyright der Herkunftsquellen.