Transdortdrübien

 

 

Silvester - © Alfred Rhomberg

 

 

Reisen müssen immer frühzeitiger gebucht werden. Zu Silvester möchte ich jedenfalls Transdortdrübien besuchen, obwohl die Landesbezeichnung irgendwie fast ein Pleonasmus ist – also das Gegenteil eines „Oxymorons“, das eine Kombination von scharf(sinnig) und dumm bedeutet und laut Wikipedia seinerseits bereits wieder ein Oxymoron ist, wobei eines der berühmtesten Oxymora der Vergangenheit dann wohl das in der Wirtschaft übliche „Minus-Wachstum“) wäre – aber ich  möchte nicht abschweifen…

 

Nicht dass ich mir von Transdortdrübien viel erwarte – mich interessiert, ob es sich wesentlich von Cisdortdrübien unterscheidet, dessen Landesnamen nicht einmal ein Pleonasmus, sondern sogar ein Widerspruch ist. Dementsprechend könnte ich auch von meinem Cisdortdrübienaufenthalt ziemlich enttäuscht sein. Zu Silvester verkraftet man solche Enttäuschungen mit etwas Sekt jedoch leichter, als mit dem üblichen Prosecco, der bei jeder Vernissage und anderen Anlässen ausgeschenkt wird. Etwas erwarte ich mir von Transdortdrübien schon: auf andere Gedanken für das Neue Jahr zu kommen. Dies war mir in Cisdortdrübien nie gelungen und deshalb reichte es früher einmal auch nur zu dem Gedicht "Klagelied einer Silvesterkuh". Wenn Transdortdrübien ein Flopp wird, bliebe wieder nichts anderes übrig, als ein Gedicht zu schreiben, vielleicht über den Jungbauern Michi und seine Kühe Milli oder Rosa – die Jungbäuerin liegt zu Silvester mit Ohrstöpseln (bzw. MP3-Kopfhörern) längst im Bett, sie kann den Lärm der Chinakracher und der Raketen nicht ausstehen, ebensowenig wie die benachbarten Eichhörnchen und Hunde – wobei Eichhörnchen deutlich gefährdeter sind, weil sie von Bäumen herunterfallen können, während  Hunde vorsichtshalber gar nicht erst auf Bäume klettern und allenfalls psychotherapeutisch begleitet werden müssen.

 

In Transdortdrübien erwarte ich mir: erstens ein gutes, gesundes Neues Jahr, das ich gut verpackt mit nachhause nehmen kann, zweitens keine Silvester-Seitenblicke im ORF, drittens keinen Fernseh-Silvesterparties, viertens keine wie auch immer geartete volkstümliche Musik und fünftens schon gar keine Rückblicke auf das vergangene Jahr – man müsste Sadomasochist sein, um sich derartiges zu wünschen.

 

Ferner wünsche ich mir – ich glaube sechstens – dass meine noch immer relativ wenig bekannten Bilder in Transdortdrübien inzwischen so bekannt geworden sind, dass sich die transdortdrübischen Kunsthändler um meine Bilder und Grafiken noch zu meinen Lebzeiten reißen.

 

P.S. Gut, dass „nacktscannen“ noch nicht erlaubt ist, ich werde bei der Flugreise nach Transdortdrübien nämlich sehr hochprozentigen Alkohol (jedenfalls höher als 100 Prozent) am Leibe versteckt tragen, um – je nach dem, was ich in Transdortdrübien vorfinde – diesen Alkohol mit etwas mehr oder weniger Prosecco zu verdünnen.

 

(Version 14.7.2013)

 

 

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