Es ist alles halb so schlimm - halbökologische Prosa

 
Acker im Mondschein - © Alfred Rhomberg

 

Der Mond räkelte seine Glieder im Licht, das ihm nur geliehen war. Es war angenehm, nicht selbst für seine Beleuchtung sorgen zu müssen. Die Elche hingegen warteten geduldig auf zwei bis drei Sonnenstahlen pro Jahr, für die sie sich gleichfalls nicht bemühen mussten und falls sie gerade schliefen wenn ein Sonnenstrahl sie traf, warteten sie geduldig auf das nächste Jahr – vielleicht würde es dann ja mehr Sonnenstrahlen geben. Das nächste Jahr war sich allerdings noch nicht sicher, ob es tatsächlich jedes Jahr anbrechen musste – es war ihm zwar aufgetragen – Strafen bei Nichteinhaltung dieses Auftrages waren jedoch nicht vorgesehen.

 

Die Eisbären machten kleine Kreuzfahrten auf den für sie vorgesehenen im Meer schwimmenden Eismassen, die – nicht durch ihre Schuld, sondern durch das Versagen anderer – langsam dahin schmolzen. Sie machten sich keine Sorgen – zur Not würden sie in die Tiergärten dieser "anderen" auswandern, die sich gleichfalls keine Sorgen darüber machten, ob sie in nicht all zu ferner Zeit überhaupt noch existieren würden. Man muss nicht existieren, schon deswegen nicht, weil es die naturgegebene Bestimmung ist, in absehbarer Zeit (Tage, Monate, Jahre) nicht mehr zu existieren. Vorläufig beschlossen diese anderen jedoch, nachhaltig zu existieren – als ob dies das Grundproblem des Seins lösen würde! Man reist mit durch nachhaltig erzeugten Treibstoffen auf Kreuzfahrtschiffen in die Regionen der auf Eisschollen kreuzfahrenden Eisbären, besucht die armen Elche, die sich ihrer Armut nicht bewusst waren und kehrt mit dem eigenen Bewusstsein zurück, dass alles eigentlich nicht so schlimm sei, wie behauptet. Nichts ist wirklich schlimm, wenn man nicht an die Zukunft denkt, die es eigentlich nur noch für den Mond und gleichfalls nur für eine nicht genau festgelegte Zeit gibt.

 

Deswegen räkelte der Mond seine Glieder im Licht das ihm nur geliehen war, denn es war angenehm, nicht selbst für seine Beleuchtung sorgen zu müssen.

 

 

(26.9.2014, Erstversion 1.09.2012) 

 

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