Ein musikalischer Bär - in memoriam Bruno

 
Bär II - © Alfred Rhomberg
Immer wenn sich ein paar Bären treffen und gemütlich bei einem Gläschen Wein die Zeit verplaudern, fällt einem aus der Bärenrunde die traurige Geschichte des Bären Bruno ein, der aus Italien kommend, in Österreich nicht integrationsfähig war und aus diesem Grund im benachbarten Bayern erschossen wurde. Da erinnern sich die Bären dann an allerlei Anekdoten, die sie von Bruno kannten und je mehr Wein sie trinken, desto ausgefallenere Anekdoten über Bruno werden erzählt.

 

 

Bären sind meist nicht sehr musikalisch. Dadurch, dass sie Laute ausstoßen können die fast nur von Bären als schön empfunden werden, haben sie, was Musik betrifft, Nachteile die andere Tierarten z.B. Vögel, nicht haben. Die Vorstellung, einen Bären singen zu hören, ist selbst für Bären etwas lächerlich.

 

Ein Bär hatte jedoch die feste Absicht, Komponist zu werden - das sind Musiker, die nicht singen müssen, welche die Musikstücke schreiben, die andere Musiker dann spielen.

 

Klugerweise wollte er es sich nicht allzu schwer machen und begann, Musikstücke zu komponieren, die im wesentlichen aus Grunzlauten bestanden und der Bär meinte, dass sich hierfür die Posaune besonders eignete. Er begann seine Musikausbildung also mit der Erlernung des Posaunenspiels. Er brachte es damit nicht weit, allenfalls gelang es ihm einen einzigen – immer denselben – Ton zu spielen. Posaune blasen ist deutlich schwieriger als nicht Posaune zu blasen. Für eine echte Komposition war das zu wenig und so fügte er seinen Musikstücken auch noch den Klang eines Triangels hinzu. Das hatte zwei Vorteile: erstens passen die Töne eines Triangels sehr gut zum Ton einer Posaune, zweitens ist das Triangel ein sehr leicht zu zu spielendes Instrument und es würde wohl keine Schwierigkeiten geben, andere Bären im Triangelspiel anzulernen. Er selbst würde dann die wesentlich schwieriger zu beherrschende Posaune, wenn auch mit nur einem einzigen Ton, übernehmen.

 

Das erste selbstkomponierte Musikstück klang etwas so:

                                                  

                 kling        kling              

            /           \         \        

           /               \        \           

brumm               brumm-brumm             brumm               brumm-brumm

 

 

Ein Freund erklärte sich bereit, das Spielen des Triangels zu erlernen und so luden die beiden Bären alle ihre Freunde und Bekannten zum ersten Konzert ein.

 

Die Enttäuschung am Ende des Konzerts war groß – es gab keinen Applaus, nicht einmal die Frau des Bären klatschte mit ihren Pfoten. Der Bär beschloss darauf, sein Posaunenspiel noch etwas zu verfeinern und bald konnte er insgesamt drei Töne spielen.

 

Das neue Konzert klang nun deutlich komplizierter:

 

kling  kling                                         

 ?               \                                              

/         brumm            kling                                /           \            /             \        

?                  brumm                                \          und so weiter    ?   ! !  

       ?            ?                                       /                  \             ?         ?                        brumm           brumm       ►    (da capo al fine)

 

Wieder lud er seine Freunde und Bekannten ein und auch diesmal gab es keinen Applaus.

 

Entweder sind Bären wirklich nicht sehr musikalisch, vielleicht würden seine Kompositionen aber auch erst später, nach seinem Tode, berühmt - Komponisten haben oft das gleiche Schicksal wie Erfinder!

 

(Und nach einem ausgelassenen Lachen am Ende der Geschichte werfen die versammelten Bären heulend in ihrer Trauer die Gläser an die Wand und tragen sich in das stets aufgelegte Kondolenzbuch für Bruno ein).

 

(5.9.2015)

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