"Drum prüfe wer sich ewig bindet" - Ehe, Paarbeziehungen und soziologische Aspekte

 

 

Hochzeit - © Fotoarchiv Alfred Rhomberg
(Der nachfolgende Beitrag entstand durch die Zusammenführung zweier 
Beiträge aus "Kulturforum Kontrapunkt“, die vollständig überarbeitet,
gekürzt und durch soziologische Aspekte sowie durch Gedanken zur 
Weltbevölkerung ergänzt wurden)

 

 

„Drum prüfe wer sich ewig bindet“ - dieses gern bebrauchte Zitat aus dem „Lied der Glocke“ von Friedrich Schiller, hat wohl früher ebenso wenig gegolten, wie es heute gilt.

 

Ehen der Vergangenheit wurden entweder standesgemäß eingefädelt, aus Vernunftsgründen oder aber auch aus Liebe eingegangen, wobei in allen drei Fällen die „Prüfung“ eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte. Moralisierende Spruchweisheiten gehörten früher zur gesellschaftlichen Konvention und überdeckten die von jeher existierenden Unzulänglichkeiten des Menschen. Fast möchte man meinen, dass sich die Gesellschaft ihrer Unzulänglichkeiten sehr bewusst war, sonst wären diese in der Literatur nicht so übertüncht worden.

 

Wie steht es heute mit der Ehe?

 

Jede/r weiß, dass die Scheidungsziffern ständig zunehmen – ist die Ehe heute daher ein Auslaufmodell? Sicher nicht, aber man sollte die Gründe der höheren Scheidungsziffern genau unter die Lupe nehmen, denn es gibt viele Gründe dafür, am allerwenigsten den Grund, dass „man sich zu wenig geprüft hat“. Es gibt leider auch viele Gründe, gar nicht erst zu heiraten.

 

Einige wesentliche Gründe:

 

► die größere Selbständigkeit der Frau – Ehen werden heute kaum aus Versorgungsgründen geschlossen.

 

►  die heute sehr frühen Paarbeziehungen, die im völligen Gegensatz zum wachsenden Lebensalter stehen.

 

►  der durch die frühen Paarbeziehungen immer häufiger werdende Wechsel in andere Paarbeziehungen, sodass am Anfang des dreißigsten Lebensjahres Menschen oft jede Beziehungsfähigkeit verloren haben.

 

►  die längere Lebenszeit - durch die oft sehr unterschiedlichen Berufe der PartnerInnen können EhepartnerInnen sich so entfremden, dass eine Trennung vermutlich oft der beste Weg wäre. Warum muss frau/man Jahrzehnte darunter leiden, dass eine frühere Entscheidung zwar richtig war, sich diese Entscheidung jedoch später offenkundig als falsch herausgestellt hat?

 

►  die heute geringere Zahl der Kinder verringert das Verantwortungsbewusstsein und erleichtert Scheidungen, umso mehr als Scheidungen in vielen Fällen „friedlich“ und mit Zugangsrecht zu den eventuell doch vorhandenen Kindern stattfinden (was den Kindern trotzdem nicht gut tut).

 

►  Scheidungen sind zwar rechtlich einfacher als früher, aber auch teurer als die Auflösung von „Beziehungen“ bzw. Partnerschaften, die noch häufiger aufgelöst werden als Ehen (wofür es naturgemäß keine genauen statistischen Zahlen gibt).

 

Anm.: Dass es auch heute wieder eine Art „Unrechtsbewusstsein“ gibt, erkennt man an der zunehmenden Zahl manchmal recht  guter Fernseh-Unterhaltungsfilme, in denen die Familie nach Eheproblemen – oft durch die Mitwirkung der Kinder – wieder vereint wird. Es ist „schön“, sich solche Filme anzusehen – und sich dann weiter zu streiten. So ganz unähnlich sind solche Filme den frommen Sprüchen der Vergangenheit nicht – aber die Filme sind jedenfalls besser als die ewigen Kriminalserien!

 

Soziologische Aspekte zu Paarbeziehungen

 

Wenn aus einer Partnerschaft Kinder hervorgehen, so sind Frauen bei der Auflösung einer Partnerschaft/Beziehung zumeist stärker benachteiligt als geschiedene Frauen. Es ist daher eher wahrscheinlich, dass Frauen mit Kindern nach Trennungen oft Niedriglohnberufe annehmen müssen, ein Problem, das nicht nur die Sozialkassen, sondern in erster Linie die Zukunft der Kinder belastet. Aus diesem Grund gibt es immer mehr Paare, die keine Kinder wollen.

 

In den Medien wird vielfach sehr leichtfertig darüber berichtet, dass die Armutsgrenze in Deutschland oder Österreich (vermutlich auch in den meisten anderen Ländern) ständig steigt – leider wird fast nie über die Gründe diese Entwicklung gesprochen. Es ist eben nicht nur der „böse“ Kapitalismus (sprich: Banken und  Industrie), der bei Bedarf Arbeitsplätze eliminiert – es ist unser gesamtes modernes Gesellschaftssystem, an welchem wir teilweise selbst schuld sind, u.a. wegen zu hoher Lebensansprüche, welche sich die meisten eigentlich gar nicht leisten können.
 

Gedanken zur Weltbevölkerung – Fertilitätsraten

 

In den Medien wird häufig das Gespenst der wachsenden Überbevölkerung hochgespielt – die Realität sieht anders aus! Die Gesamtweltbevölkerung wird auch unter Einbeziehung der derzeit kinderreichsten Länder schrumpfen. Daran sind die weltweit sinkenden Fertilitätsraten schuld, weil die Zahl der Kinder gebärfähiger Frauen innerhalb der letzten 35 Jahre fast auf die Hälfte geschrumpft ist. Im Zeitraum 1970 bis 1975 hatten Frauen im globalen Durchschnitt noch 4,7 Kinder, 2010 brachten Frauen nur noch 2,6 Babys zur Welt (1).

 

Einige Beispiele:

Alle europäischen Länder haben Fertilitätsraten weit unter 2:

Griechenland: 1,35

Italien: 1,4

Österreich: 1,41

Deutschland 1,33

 

Andere wichtigen Länder:

Japan: 1,23

China: 1,73

USA: 2,1 (!)

 

Die kinderreichsten Länder Afrikas sind Äthopien (5,22), Nigeria (5,33) und Bukina Faso (6,47). Auch in diesen Ländern wird die Kinderzahl drastisch sinken - in allen Entwicklungsländern ist die durchschnittliche Rate bereits von 5,6 auf 2,5 gesunken. In den Industrieländern nur von 2,3 auf 1,6 (1)

 

Es ist anzunehmen, dass die Weltbevölkerung bis etwa 2050 noch geringfügig steigen wird und gegen Ende des Jahrhunderts drastisch (möglicherweise auf die Hälfte) abfällt, was viele derzeitige Probleme wie die Nahrungsmittelversorgung oder Klimaprobleme in einem völlig anderen Licht darstellt!

 

Fast alle oben aufgezählten Punkte (soziologische Fakten und Fertilitätsraten) gelten gleichermaßen, egal ob ein Paar verheiratet oder nicht verheiratet ist, wobei es jedoch gewisse Unterschiede gibt.

 

Die Ehe, gleichgültig ob nur vor dem Standesamt oder auch kirchlich zelebriert, ist in jedem Fall eine Absichtserklärung, die öffentlich (vor ZeugInnen) - aber auch sich selbst gegenüber, die feste Absicht bekundet, das Leben miteinander zu verbringen. Dass dies aus den oben beschriebenen Gründen nicht immer leicht (oder sogar unmöglich) sein kann, bleibt unbestritten.

 

Als Resumée lässt sich feststellen, dass die Heirat sicher kein Auslaufmodell ist, dass eine kirchliche Trauung unter den beschriebenen Voraussetzungen zur Festigung einer Ehe dient, dass sich jedoch auch (insbesondere die katholische) Kirche dazu durchringen muss, geschiedenen und neu verheirateten Paaren die Sakramente der Ehe, insbesondere der heiligen Kommunion nicht zu verweigern. Eine endgültige Bilanz über die unterschiedliche Bindungsfestigkeit verheirateter oder nicht verheirateter Paare kann erst sehr viel später aufgestellt werden.

 

Schlussendlich mag verwundern, dass in diesem Betrag das Thema „Sex“ nicht erwähnt wurde – es wurde deswegen nicht erwähnt, weil es weder in der Ehe noch in einer guten Paarbeziehung ein ausschlaggebendes Thema sein sollte. „Guter“ Sex ist zwar nicht vernachlässig- aber erlernbar.

 

(10.9.2014)

 

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(1) Neue Zürcher Zeitung:

http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/weltweit-bekommt-jede-frau-nur-noch-2,6-kinder-1.5159118

 

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