Musik und Klänge - Sounddesign

 
 
Der Dirigent - © Alfred Rhomberg

 

Sounddesign wird zunehmend zum Thema: Künstler planen akustische Interventionen in Städten, oder setzen sich kritisch mit dem Lärm auseinander, etwa in Form von "Sound Tossing“ (s. Anm.), der akustischen Street Art, die sich u.a. dadurch bemerkbar macht, dass kleine Lautsprecher auf Bäumen platziert werden und Signale aussenden – Hauptsache kritisch muss es sein! 

Anm.: Sound Tossing ist eine alternative Form von Street Art bei der mit Klang subversive Eingriffe im städtischen Raum unternommen werden. 

Die Menschheit hatte einige Jahrtausende Musik gemacht und es besonders in den letzten 1000 Jahren zu einem Sounddesign gebracht, das einige Meisterschaft verriet (Komposition ist ja wohl auch eine Art von Sounddesign) und nun ist das alles nicht mehr gut genug – weil es eben nicht kritisch war, sondern nur schön. 

Wir können dank unserer Technik heute bequem auf Sounddesigner wie Heinrich Ignaz Biber, J.S. Bach, G. F. Händel oder Mozart zurückgreifen – oder wer es etwas moderner mag, auf Béla Bartok oder John Cage. Das ist alles noch nicht Design genug - Klänge erlauben viel mehr, auch die Analyse und Synthese von Lärm, wobei bei weitem nicht jede zeitgenössische Musik als „Lärm“ bezeichnet werden darf (siehe auch: Kunst – der Versuch einer Abgrenzung zur "Unkunst"). Weil die Kompositionsklassen an Musikhochschulen sich über immer mehr HörerInnen freuen können (wie alle Hochschulen und Universitäten) müssen sich die künftigen SounddesignerInnen ständig etwas neues einfallen lassen und da gäbe es zum Thema „Klänge“ eben mehr Möglichkeiten als nur ein Total-Crossover sämtlicher Musikstile aus allen Teilen und Epochen der Welt, wie dies in letzter Zeit Mode geworden ist. Ich denke da z.B. an Kompositionen, die aus der Lärmberieselung in Supermärkten, Straßenlärm und im Autobus aufgeschnappten Fetzen von Handy-Gesprächen zusammengesetzt sein könnten. Oder wer es etwas romantischer mag, könnte in die Natur gehen und Waldgeräusche mit dem Plätschern von Wasserfällen und dem Stöhnen von bergauffahrenden MountenbykerInnenn verbinden. Und schließlich gäbe es dann auch noch die absolute Stille auf Bergen in Bolivien (in Tirol gibt es diese Stille ja nicht mehr, weil es kaum Berggipfel gibt, von denen aus man nicht den Lärm der Inntalautobahn oder von Flugzeugen hört). Doch diese absolute Stille ist seit der Komposition von „Tacet“ bzw. 433 (John Cage) auch nicht mehr modern genug, um damit in der Musikwelt noch aufhorchen zu lassen. 

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja – noch eine Anregung: die Geräusche innerhalb unseres eigenen Körpers sind noch viel zu wenig sounddesignmäßig erforscht – und nach Schließen dieser Lücke könnte man sich dann mit den inneren Geräuschen anderer Tierarten und von Pflanzen befassen oder mit den Wutausbrüchen des Autors, wenn er wieder eine neue Variante des „Wohltemperierten Klaviers“ des Soundesigners J.S. Bach mit Dudelsack oder Maultrommel im Radio hört. 

(Version 26.8.2016) 

 

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