Bernadette Blümel – Tuschzeichnungen - ein Kunstgespräch

 

Sehnsucht nach dem Anderen (2015) - © Bernadette Blümel, Tuschzeichnung

 

Für den Autor der „Igler Reflexe“ ist es stets eine besondere Herausforderung, junge Künstlerinnen und Künstler zu finden, die noch nicht im „großen Kunstbetrieb“ etabliert sind, jedoch bereits hohe internationale Anerkennung haben. Bernadette Blümel ist eine solche Künstlerin, die sich mit der schwierigen Kunst der Tuschezeichnung beschäftigt.

 

Kurzbeschreibung Bernadette Blümel (ausführlicher Werdegang mit Ausstellungsliste und zahlreichen Bildbeispielen siehe (1)

 

Geb. 24.11.1982, nach Grund- und Hauptschule 5 Jahre HTL für Grafik und Design (1997-2002), danach 2 Semester Chemiestudium (2002-2003), heute Disponentin als Spezialistin für Pflanzentransporte einer Speditionsfirma.

Nach der ersten Ausstellung 2010 (Igler Art) folgt eine lange, inzwischen international gewordene Ausstellungsliste, die über Kitzbühel/Tirol, „Berliner Liste 2015 / Contemporary-Fine-Arts", Verona, Paris (3), Tschechien bis Barcelona führt, s.Website (1) und (2). Besonders hervorzuheben ist die Mitgliedschaft in der „Kitzbüheler Künstlergilde“, die u.a. den Weg für internationale Ausstellungen öffnet.

Update April 2016: Ein beachtlicher weiterer Erfolg für die Künstlerin Bernadette Blümel ist der Verkauf eines ihrer Bilder bei der ArtExpo 2016 New York (14.04-17.04.2016), vertreten durch die Galerie Mecenavie.

 

Tuschezeichnung und Tuschemalerei

 

Die Tuschezeichnung ist eine arbeitsintensive grafische Arbeitstechnik, die meist mit der Zeichenfeder und Tusche auf Papier umgesetzt wird. Es gibt bei dieser sehr alten Kunst, die ihre Wurzeln in China, Korea und Japan hat, jedoch viele Varianten, bei denen auch Pinsel und verdünnte wässrige Farbmittel ähnlich der Aquarellmalerei verwendet werden (Lavierung). Man nennt dies dann „Tuschmalerei“, oft werden mehrere Techniken kombiniert. Auch in der Neuzeit gibt es hier herausragende Künstler, siehe (4).

 

Die Kurzübersicht zu Arbeiten mit Tusche führt zu den ersten Fragen an Frau Bernadette Blümel:

 

AR: Wie geht die Künstlerin Bernadette Blümel bei ihren Arbeiten vor? Beginnen die Arbeiten mit einer festen Idee/Vorstellung oder entwickelt sich die Ausformung der Idee erst nach Beginn der Arbeiten und wird dann während dieser Arbeit zum fertigen Bild weiterentwickelt?

 

Bernadette B.: Der Beginn meiner Arbeiten ist immer eine Idee, die nicht unbedingt erst kommt, wenn ich vor einem weißen Blatt Papier sitze. Die Ideen kommen zu jeder Tageszeit und ich kann es dann kaum erwarten, die Zeit zu finden, sie umzusetzen.

 

AR: Welche Ideen stehen bei Ihren Arbeiten im Vordergrund?

 

Bernadette B.: Bisher standen thematisch fast immer der Mensch und menschliche Beziehungen im Vordergrund, in einer desolaten Welt sind das für mich erstrebenswerte Themen.

 

AR. Nun könnte man menschliche Beziehungen ja sehr vielseitig darstellen – bei Ihnen steht sehr oft das menschliche Herz im Mittelpunkt.

 

Bernadette B.: Ja – das menschliche Herz ist vermutlich seit Jahrtausenden ein zentrales Symbol für Liebe und ideale Güte – warum sollte man sich als Künstlerin nicht mit diesem Thema beschäftigen?

 

AR: Das stimmt, auch wenn das Symbol im europäischen Bereich eigentlich kein Jahrtausendsymbol ist – es stammt ja ursprünglich aus der Antike aus stilisierten Feigen- und Efeublättern - Symbole für ewige Liebe, weil diese Pflanzen so langlebig sind und erst viel später, zur Zeit des Minnesangs im 12. und 13. Jahrhundert, wurden diese Symbole mit der Farbe rot z.B. als roter Efeu assoziiert.

 

Bernadette B.:  Das wäre vielleicht eine Anregung für weitere Arbeiten - derzeit versuche ich meine Ideenwelt mit dem roten, vielleicht zu medizinisch exakten Herzsymbol und den damit ableitbaren Beziehungs- und Nichtbeziehungsbezügen zu verknüpfen. Daneben zeichne ich aber auch Bilder, die auf andere Weise eine „heile Welt“ darstellen sollen und stelle fest, dass diese heile Welt anscheinend  von anderen ebenfalls geschätzt wird – wie ich dies aus den inzwischen doch recht zahlreichen Verkäufen meiner Bilder ableite. Offenbar muss man nicht unbedingt dem modernen Trend, die Welt  hässlicher darzustellen als sie derzeit ist, nachgeben - siehe die Bildtafeln 1 bis 3, die sich thematisch unterscheiden.

 

AR: Noch einige Fragen zur Technik – wie bereiten Sie Ihre Zeichnungen vor?

 

Bernadette B.: Meine Motive werden mit dem Bleistift vorskizziert, dann setze ich mit der Tuschefeder feine Punkte und Striche - meist mit schwarzer und roter Tusche. Die Technik der vorhergehenden oder nachträglichen Bearbeitung mit Pinsel und verdünnten wässrigen Farben, wie oben in der Einleitung beschrieben, verwende ich nicht – Farben werden in seltenen Fällen als Farbspritzer mit Acrylfarbe angebracht.

 

AR: Wie stellt sich Frau Bernadette Blümel ihre weitere Zukunft als Künstlerin vor?

 

Bernadette B.: Ich werde vermehrt mit Materialien experimentieren, mit unterschiedlichen Papiersorten z.B. Papyrus, der Malerei auf Keramik, dem Zeichnen von Menschen bzw. Menschenbildern wie z.B. das erst 2016 entstandene Bild der Nofretete in Bildtafel III und versuchen, an möglichst vielen internationalen Ausstellungen teilzunehmen. Das ist für die eigene Weiterentwicklung schon deswegen wichtig, weil bei bestimmten Ausstellungen auch thematische Vorgaben erfüllt werden müssen, was für mich eine reizvolle Herausforderung bedeutet.

 

AR: Beobachten Sie die Entwicklungen im „Großen Kunstbetrieb“?

 

Bernadette B.: Am Rande schon, aber nicht um daraus Anregungen für meine eigenen Arbeiten zu suchen. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen, der sich bestimmt ganz von selbst weiter entwickeln wird – ich bin ja noch relativ jung und habe daher hoffentlich noch viel Zeit zur Weiterentwicklung meiner Themen.

 

AR: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für Ihre Zukunft!

 

(Das Interview wurde im Januar 2016 geführt)

 

Bildtafeln I bis III mit typischen Bildern von Bernadette Blümel:

         (mehr Bilder auf der Website (1), siehe unten)

 

Bildtafel I, Liebe ist stärker als Hass, Verletzter Herzkreislauf, London - Call of Love, Kranke Liebe - © Bernadette Blümel, (Bildmontage Alfred Rhomberg)
Bildtafel II - Zurück ins Leben, Yin Yang - © Bernadette Blümel (Bildmontage Alfred Rhomberg)
Bildtafel III - Nächtliches Treffen, Nofretete 2016, Tanzende Liebespaare (aus Trilogie), Schwarzes Schaf der Familie, Leben stirbt nie - © Bernadette Blümel (Bildmontage Alfred Rhomberg)

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(1) Website Bernadette Blümel, http://www.bernadette-bluemel.at/

(2) http://thenewcollectorsbook.com/2014/08/04/bernadette-bluemel/

(3) http://www.salon-artshopping.com/fiche-artiste/bluemel-bernadette-5540.htm

(4) Bekannte Künstler, die u.a. mit Tusche zeichneten:

          Albrecht Dürer (1471-1528)

          Caspar David Friedrich (1774-1840)

          Katsushika Hokusai (1760-1849)

          Pablo Picasso (1881-1973)

          Horst Janssen (1929-1995)

und last but not least: Paul Flora (1922, Glurns/Südtirol – 2003, Innsbruck), Flora ist nicht nur in Tirol durch seine hübschen und meisterhaften Karikaturen, sondern auch durch seine politischen Karikaturen in deutschen Zeitungen (z.B. Die Zeit) und als Buchillustrator bekannt.

 

(22.1.2016 und Update v.30.4.2015)

 

 

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