Bergith Worsch - Bildhauerin - ein Kunstgespräch

 

 

(c) Bergith Worsch - Foto Alfred Rhomberg

 

 

Die Bildhauerin Bergith Worsch hat außer einer soliden künstlerischen Ausbildung (HTL für Holz- und Steinbildhauerei in Innsbruck, Studien der Kunstgeschichte an der Uni Innsbruck, Ausbildung als Werbergrafikerin und Aufnahme im Atelier der Brüder Prof. Rudolf Millonig und Prof. Helmut Millonig) – eine beneidenswerte Begabung und Sensibilität, die sowohl in ihren grazilen Arbeiten, als auch in ihren Gedanken über das eigene Schaffen erkennbar sind. Ihre viel beachtete, vom Tiroler Kulturamt getragene Ausstellung in der Andechsgalerie im Zentrum von Innsbruck (Februar 2010) war Anlass, dass der Autor der „Igler Reflexe“ ein Kunstgespräch mit der Künstlerin anstrebte. Zu erwähnen ist, dass Bergith Worsch seit 1988 als freischaffende Bildhauerin und Restaurateurin (u.a. das Sommerhaus des Damenstiftes in Hall 1992-2006), heute fast ausschließlich mit Holz arbeitet. Bergith Worsch benützt dabei kaum die in der Bildschnitzerei üblichen weichen Holzarten, sie sucht ihr Material dem jeweiligen Thema entsprechend aus.

 

Dem Gespräch sollen zwei Gedanken vorangestellt werden:

“Skulptur: von: lat. sculpere = „etwas herausmeißeln, – schnitzen, – schneiden“; verwandt mit Skalpell” (Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 1972)

und:

 

“Im Unterschied zur Skulptur, bei der das Kunstwerk etwa aus Stein herausgehauen wird, wird die Plastik aus bildsamen Massen modelliert – es kommt also ein additives d. h. aufbauendes Verfahren zur Anwendung, also Urformen, Umformen und Fügen, meist kombiniert. Plastiken entstehen überdies rein urformend auch durch Gießen schmelzbarer oder aushärtender Stoffe.” (Wikipedia-Enzyklopedia, Zitatende)

 

Dieses Zitat führt zu den ersten Fragen an Bergith Worsch:

 

AR: Beschäftigt sich die Künstlerin Bergith Worsch ausschließlich mit Skulpturen im Sinne des Zitates oder gibt es in ihrem Schaffen auch modellierte Arbeiten, d.h. Plastiken?

 

Bergith Worsch:
Mein Thema/mein Sein ist Skulptur. Ich brauche den Widerstand des Materials (der auch zu respektieren ist – unbedingt) – obwohl ich meine Stämme nicht gerne als Material bezeichne – sie sind Individuen.
Das auftragende Arbeiten hat auch seinen Reiz – und muss gekonnt sein.
Das Schwierigere ist das Abtragen – weil – was weg ist ist weg.

 

AR: Worin besteht der Reiz bevorzugt mit Holz anstatt mit Stein zu arbeiten – nicht in Hinblick auf die unterschiedliche Bearbeitungstechnik, sondern in der künstlerischen Gestaltungsabsicht?

 

Bergith Worsch:
Greifen Sie Stein an – greifen Sie Holz an.
Ich habe in Stein gearbeitet und verbinde gerne meine Holzskulpturen mit Steinsockeln. Es ist sehr viel Zeit/Stunden, die ich bei meiner Arbeit in meinen Händen halte – so ein Stamm fühlt sich warm an – ich bin ein haptischer Mensch – ich brauche das drüberstreichen – drüberspüren – nur so komme ich auf die Form – auch wenn das bei manchen großen, scheinbar groben Skulpturen manchmal unrealistisch erscheint, ist es doch so.

 

AR: Die diesjährige Ausstellung in der Andechs Galerie in Innsbruck (2010) stand unter dem Motto “Dynamik und Ruhe” – drückt dieses Motto allgemein das Spannungsfeld aus, in dem die Arbeiten der Künstlerin entstehen oder ist damit ein progressiver Prozess gemeint, etwa in dem Sinne, dass zu Beginn einer Arbeit die Dynamik im Vordergrund steht, die sich dann im Verlaufe der Arbeit an einer Skulptur zu einer gewissen Ruhe auflöst?

 

Bergith Worsch:
Sie haben das sehr gut erkannt.
Der Baum – es fängt an mit dem Wachsen eines Baumes – die Jahresringe – Winter karg – Sommer üppig – und – je nachdem auf welchem Untergrund/Boden er wächst….
Ein Baum lebt in Dynamik und Ruhe und wie ich mit dem Baum umgehe – wenn ich mit der Motorsäge arbeite hat das sicher eine andere Dynamik, als wenn ich mit – ganz viel Zeit – die mir auch sehr wichtig ist – den „Feinschliff“ mache – fast wie Meditation – Ruhe finden – ja – auch in mir….

 

AR: Wie weit sieht Frau Worsch bei der Auswahl eines bestimmten Holzes ihr beabsichtigtes „Endprodukt“ in ihrer Phantasie bereits voraus – bzw. ändert sich ihre Vorstellung während des Gestaltungsprozesses?

 

Bergith Worsch:
Jeder Stamm hat seinen eigenen Charakter – und ich kann nur machen, was in mir ist.
So finden wir uns.

 

AR: Eine weitere Frage an Bergith Worsch – In welchem Ausmaß fließen Entwicklungen der sich ständig verändernden Welten anderer bildenden Künste auf die Gestaltung Ihres Schaffens ein? Gibt es typische Parallelentwicklungen oder verfolgt Frau Worsch eine völlig eigenständige Weiterentwicklung, wie sich dies teilweise bereits beim Vergleich Ihrer früherer Arbeiten mit den hier ausgestellten Arbeitet andeutet?

 

Bergith Worsch:
Veränderte Welten – ja – hm – ist nicht einfach – völlig eigenständige Entwicklung geht nicht, weil ich immer im Kontext zu andern Arbeiten/Medien…Wertigkeiten (Kunstmarktpreisen! ha ha ha) stehe – meinen eigenen Weg gehe ich ganz sicher.
Natürlich gibt es eine Weiterentwicklung – Stagnation ist Tod

.

AR: Welche konkreten Pläne hat die Künstlerin Bergith Worsch für die nähere Zukunft?

 

Bergith Worsch:
Die Bildhauerin, die ich bin, hat zu arbeiten.
Ich bin erst seit kurzem in Hall in Tirol – habe neue Räumlichkeiten zu adaptieren um meinen Skulpturen ein arbeitstechnisches wie ausstellungsmögliches Umfeld zu schaffen – und – ich bekomme einen 2,5 m Ahornstamm und eine Ulme, auf die ich schon sehr neugierig bin….


Die „Igler Reflexe“ bedanken sich für das Gespräch.

 

Bergith Worsch: Ich danke!

 

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Homepage Bergith Worsch :   www.bergith.com

 

Ausstellung Bergith Worsch, Innsbruck, Andexgalerie (Februar 2010)
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