In einem einzigen Punkt ist Microsoft Windows etwas besser als die Schöpfung Gottes – eine Vision

 

Vision - (c) Alfred Rhomberg

 

Wie oft haben wir uns schon gewünscht, an einen Punkt zurückkehren zu können, der für uns besonders angenehm war oder zumindest zu sagen „Verweile doch! Du bist so schön!“ (Goethe/ Faust). So etwas ist in der Schöpfung nicht vorgesehen - da nützen keine existenz- oder religionsphilosophischen Debatten: was nicht geht, geht nicht - noch nicht!

 

Microsoft hatte seine mephistophelische Chance genützt, um einmal besser als Gott zu sein und – vielleicht im Bewusstsein seiner schöpferischen Unvollkommenheit - und diese Chance (zumindest in Windows XP und Folgeversionen) wahrgenommen. Werden nach der Installation neuer Programme ständige Abstürze zur unliebsamen und unvermeidbaren Regel, so lässt sich das System auf einen beliebigen früheren Wiederherstellungspunkt nach freier Wahl erneuern – und das sogar mehrmals hintereinander (wie hätte ich’s denn gern?). Im übrigen lassen sich Betriebssysteme von Zeit zu Zeit bei chronischen Erkrankungen wieder „neu aufsetzen“ und es entsteht eine neue unbefleckte Seele, die wieder mit Programmen und Dateien zu neuem Leben erweckt werden kann. Und wenn das alles nichts mehr nützt, kommt es zur Transplantationschirurgie, bei welcher eine neue Festplatte eingebaut wird. Wer seine Daten extern gesichert hat, braucht derartige Transplantationen nicht zu fürchten.

 

Warum hat uns der Schöpfer nicht mit diesem Komfort ausgestattet? Vorläufig hätte ich meine Daten, d.h. meine Erinnerungen, meine Gefühle und mein mühsam erworbenes Wissen noch einigermaßen parat - es kann doch nicht so schwer sein, den Inhalt eines Gehirns, das nur einen so kleinen Anteil unseres Körpergewichtes ausmacht, ähnlich wie bei Computern extern zu speichern, sodass nicht alles plötzlich ganz verloren ist? Die Klonierung eines/meines ganzen Systems würde bekanntlich nur zu einem unvollständigen Abbild (ohne gedankliche Hirninhalte) führen und auch die zukünftig vielleicht einmal mögliche Transplantation eines neues Gehirns wirft bisher noch absolut ungelöste Fragen auf. Abgesehen davon, dass unser Gehirn eines der wenigen Körperteile ist, welches bis jetzt noch nicht transplantiert werden kann – was passierte, wenn dies gelänge? Ich traue der zukünftigen Medizin so etwas durchaus zu, selbst wenn Neurologen und Neurochirurgen bei dieser Vorstellung derzeit noch abwinken. Mediziner haben schon oft abgewinkt – z.B. als Ferdinand Sauerbruch die erste Operation am offenen Thorax oder Christian Barnard die erste Herztransplantation wagten. Beides ist heute selbstverständlich – bei der Transplantation eines neuen Herzens werden keine Gefühle mittransplantiert, das Herz ist nur ein Muskel – allerdings ein sehr wichtiger und fleißiger Muskel – die Gefühle sind im Gegensatz dazu, neben allem was wir gelernt haben und wissen, im Gehirn deponiert.

 

Ich bin überzeugt, dass die Transplantation eines Gehirns einmal möglich sein wird – natürlich zuerst bei Mäusen - doch was verstehen wir schon von den Inhalten in Mäusegehirnen? Würden gespeicherte Mäuse-Gehirninhalte (im Falle dass…) mittransplantiert? Und würde ich (falls die Transplantation auch beim Menschen gelingt) dann vielleicht vom harmlosen Wissenschaftler plötzlich zum kriminellen Serientäter? Als der Wissenschaft ergebener Mensch schrecken mich solche Vorstellungen vorläufig noch ab - und doch: warum eigentlich nicht? Ich könnte ja einen mir sympathischeren Weg wählen: sobald ich die medizinische Diagnose bekäme, dass eine oder mehrere meiner notwendigen, aber doch untergeordneten Organe völlig defekt und auch nicht mehr reparabel oder transplantierbar sind, würde ich in einem ersten Schritt eine vollständige Kopie meines Körpers aus eigenen Stammzellen in Auftrag geben (analog zum „Dollyschaf“), sodass ein wieder vollständig gebrauchsfähiges Exemplar entstünde (Wiederherstellungspunkt: Alter etwa 35 Jahre, einen früheren Wiederherstellungspunkt würde ich aus rein persönlichen Gründen nicht wählen).

 

Für den zweiten Schritt gäbe es dann zwei Alternativen:

 

1). Das nach der Klonierung entstandene Gehirn wäre vermutlich eine „leere Festplatte“ deren Inhalte aus eigenen Hirninhalten „neu aufgesetzt“ werden müssten. Was bei der Neuinstallation von Programmen und gespeicherten Daten bei Microsoft so selbstverständlich ist, bedürfte beim menschlichen Gehirn noch eines enormen Forschungsaufwandes, da die Datenspeicherung im Gehirn ja bisher noch völlig ungeklärt ist und ich vermutlich nicht so lange warten kann bis ausreichende Erkenntnisse darüber vorliegen.

 

2). Ich müsste mein eigenes Gehirn nach Entfernung des mitgeklonten leeren Gehirns durch mein eigenes, eventuell noch taugliches Gehirn - samt aller Dateninhalte transplantieren lassen – vergleichbar dem Austausch einer leeren Festplatte durch eine andere prall gefüllte Festplatte.                                                                                                                                                                                                                                                                        

Dieser Weg erscheint mir im Augenblick der realistischere zu sein. Ich glaube daher, dass ich der Lösung b) derzeit wohl den Vorrang geben würde. Es wären zwar zwei Transplantationsschritte erforderlich – aber was bedeutet das schon bei den Fortschritten der heutigen Medizin. Jedenfalls - weder bei Lösung a) noch bei b) wären Immunsuppressiva erforderlich, jene unheimlichen Substanzen, welche frau/man lebenslang nach Transplantationen nehmen muss, damit Fremdgewebe nicht abgestoßen wird, denn ich betrachte mein eigenes Gehirn eigentlich nicht als Fremdgewebe.

 

Bis es so weit ist, freue ich mich vorläufig darüber, dass Microsoft solche Probleme für seine kleine (und vermeintlich doch so große) Welt einigermaßen gelöst hat. Alles weitere wird sich dann schon finden – Hauptsache, die Vision ist da.

 

„Die Welt ist meine Vorstellung“ sagte Arthur Schopenhauer – die Umkehr des Satzes, also: „Die Vorstellung ist meine Welt“ entspräche eher meiner Weltsicht, die gelegentlich anfallsweise von Visionen geprägt ist - und in diesem Punkt stimme ich nicht mit den Worten des ehemaligen, ansonsten eher geschätzten ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt überein: „Wenn Sie Visionen haben, gehen Sie zum Arzt!“

 

(24.4.2013)



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