Fußball – eine phänomeno(logische) Analyse

 

 

 

Fußball - (c) Alfred Rhomberg

 

 

 

Über die nicht wegleugbare Tatsache, dass Fußball für manche bis sehr viele Menschen eine unbegreifliche Attraktion bedeutet, ist viel geschrieben worden. Warum eigentlich? Nüchtern betrachtet laufen doch nur 20 Spieler einem Ball nach und zwei weitere warten darauf, dass dieser ab und zu auch zu ihnen gelangt - obwohl sie sich dagegen wehren. Nicht zu vergessen: die  Tausenden von Menschen im Stadion und die Milliarden, die das Geschehen am Fernsehgerät überwachen und hoffen, dass die zwei Torhüter nicht unterbeschäftigt bleiben. Ebenso nüchtern betrachtet handelt es sich bei einem Fußball um ein „sportliches Gerät“ – was sonst?

 

Noch etwas nüchterner gesehen, geht es um sehr viel Geld, Nationalstolz und Sensationslust, wobei letztere auf Grund wachsamerer Ordnungshüter (bishin zum Miltäreinsatz) immer mehr an Attraktion verliert (1989 forderte ein Fußballspiel in Sheffield/England noch 96 Todesopfer und über 700 Verletzte, 2008 war man froh, als es abends in den Kneipen nur ein paar Alkoholopfer gab - 2012 hat infolge der Nachbarschaft und Vergangenheit von Polen, Russland und der Ukraine naturgemäß wieder eine ganz andere Dimension). Übrig bleiben also die Komponenten „viel Geld“ und "Nationalstolz" – beides fragwürdige Werte, wenn man in puncto Geld den Abscheu der Massen gegen den Kapitalismus und in puncto Nationalstolz den gesunden Menschenverstand berücksichtigt. Ganz eindeutig sind Weltmeisterschaften und Olympiaden zu modernen Formen des Auslebens von Nationalismus geworden - allerdings mit weniger Toten!

 

Ein wissenschaftliches Phänomen

 

Fußball ist u.a. auch ein wissenschaftliches Phänomen. Während Handball nur eine geringe mediale Aufmerksamkeit besitzt, steht Fußball hinter Erotik an zweiter Stelle unserer heutigen Werteskala. Was ist bei Fußball so ganz anders als bei Handball – abgesehen von der Tatsache, dass Fußball eben mit dem Fuß und Handball definitionsgemäß mit der Hand gespielt wird? Füße rangieren in der sportlichen Psyche offenbar vor Händen. Es gibt allerdings eine wissenschaftliche These für die Attraktivität von Fußball: ein Fußballspiel baut sich langsam (nachvollziebar) auf, führt zu (nachvollziehbaren) Hoffnungs- und Enttäuschungsmomenten und setzt sich mit einem (nachvollziehbaren) Torerlebnis – oder Unerlebnis fort. Handball ist sehr schnell, die Sportler und Zuschauer müssen also sehr geschmeidig im Verfolgen strategischer Spielabläufe sein – das übrige, nämlich das Tor-Erfolgserlebnis bzw. Unerlebnis sind gleichwertig/unwertig mit dem entsprechenden Fußballerfolgs/Unerfolgserlebnis. Daraus zu schließen, dass Fußballbegeisterte im Denken weniger schnell als Handballbegeisterte sind, wäre eine unerlaubte Unterstellung.

 

Besonderes Interesse verdient die Analyse aller am Phänomen „Fußball“ beteiligten Akteure.

 

Da gibt es 1.) zunächst die nicht ganz unwichtigen Fußballathleten. Sie sind meistens unter 30 Jahre alt (jeder der älter ist, hat nur noch ein sehr kurzes Ablaufsdatum).

 

2.) Schiedsrichter dürfen etwas älter sein – zumindest so lange sie den Athleten noch hinterher laufen können, ab und zu dürfen sie sich auch etwas ausruhen und gelbe oder rote Karten zeigen.

 

3.) Trainer können erheblich älter sein – die Erfahrung des Alters entspricht etwa der Erfahrung alter Philosophen (Sepp Herberger, berühmtester Nationaltrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: „der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“). Trainer brauchen auch die sportlichen Anweisungen, die sie im Training ihrer Mannschaft geben, nicht mehr physisch nachzuvollziehen.

 

4.) Sportfunktionäre: je höher der Rang, desto weniger haben sie aktiv im Fußball geleistet(1).

 

5.) Die Zuschauer – (beinahe hätte ich sie vergessen, obwohl Fußballspiele ohne Zuschauer, vermutlich langweilig und wirtschaftlich uninteressant wären): Die Zuschauer setzen sich hauptsächlich aus Männern aller Alters- und Bildungsklassen und neuerdings auch aus jüngeren Frauen zusammen. Es ist noch nicht gesichert, ob dieses Ansteigen weiblicher Zuschauer ein emanzipatorisches Bedürfnis oder echtes Interesse ist – es gibt ja inzwischen ganz hervorragende Fußball-Frauschaften und es wäre auch nicht logisch begründbar, warum Frauen mit einem Ball von 69-70 cm Durchmesser und einem Gewicht von 410-450 Gramm schlechter umgehen sollten als Männer. Auch die Tatsache, dass es sich bei einem Fußball theoretisch um einen abgestumpften Ikosaeder handelt dürfte für Frauen kein Problem sein (immerhin ist die Zahl der weiblichen Studenten an unseren Universitäten bereits auf über 50 % gestiegen - allerdings weniger in den Fächern Chemie und Mineralogie, wo man es gelegentlich mit Ikosaedern zu tun hat).

 

Zusammenfassend kann man am Phänomen Fußball zur Zeit nur folgende gesicherte Aussagen machen:

 

1.)  Fußball ist wichtig.

 

2.)  Das Phänomen „Fußball“ ist bisher phänomenologisch noch nicht ausreichend geklärt.

 

3.)  Die Amerikaner sind keine schlechteren Menschen als wir, nur weil sie Fußball im herkömmlichen Sinn umgangssprachlich als soccer bezeichnen (eine Kurzform von association football und dient als Abgrenzung zu American Football).

 

4.)  Politisch und mental gesehen, ist Fußball fast der brisanteste Sport der Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften - zumindest was die dadurch ausgelösten Emotionen betrifft. 

 

Bei zukünftigen Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaften wird sich an den vorangegangenen Betrachtungen nichts Wesentliches ändern. Nationalhymnen werden nirgends überzeugender gesungen, als bei derartigen sportlichen Ereignissen – bzw. „warum ist es am Rhein so schön“, wenn es anschließend zum gemütlicheren Teil des Tages kommt – mit viel Bier und so ganz ohne Krieg!


„Franz Beckenbauer gilt als einer der besten Fußballer aller Zeiten und wird in der Öffentlichkeit häufig als „Lichtgestalt des deutschen Fußballs“ bezeichnet. Wichtige Meilensteine im Fußball sind der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft, sowohl als Spieler (1974) als auch als Trainer (1990).“


Bei Christoph Daum klingt ein Zitat schon etwas bescheidener: „Christoph Daum begann seine Fußballerkarriere 1971 in der Jugendmannschaft bei SF Hamborn 07, wechselte dann 1972 zu Eintracht Duisburg, spielte während seiner Studienzeit im Lehrerturnverein Duisburg sowie ab 1975 beim 1. FC Köln, wo er bei den Amateuren zum Einsatz kam.“
Insgesamt fällt auf, dass es sich bei höheren Fußballfunktionären – mit Ausnahme vom „Kaiser“ Franz Beckenbauer – um alte, wenig smarte und unsportlich wirkende Herren (bisher noch keine Frauen) handelt, die offensichtlich alle nicht an Geldproblemen leiden.

 

 

(Version 18.06.2012, redigierte Fassung aus startblatt.net 2008)

 

siehe auch: "Fußball - Euer Gott und Herr"

 

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