Nobelpreisträgertagungen in Lindau – Begegnungen, Erinnerungen und Gedanken

 

 

(Unterschriften einiger Nobelpreisträger bei der VIII Nobelpreisträger-Tagung in Lindau. Das Autogramm des Entdeckers der Atomspaltung (Otto Hahn) ist rot gekennzeichnet - © Teil meiner privaten Autogrammsammlung Alfred Rhomberg

 

1955 und 1958, im 3. und 9. Semester des Chemiestudiums, hatte ich die Gelegenheit mit einer Gruppe von ca. 10-12 Innsbrucker StudienkollegInnen an den Nobelpreisträgertagungen in Lindau teilzunehmen. Die Einladung verdankten wir Frau Prof. Erika Cremer, Ordinaria für Physikalische Chemie und Erfinderin der Gaschromatografie (Innsbruck). Frau Prof. Cremer hatte gute Kontakte zu vielen Nobelpreisträgern, u.a. zu Otto Hahn, dem Entdecker der Atomspaltung (zu dieser Zeit gab es keine Nobelpreisträgerinnen für Chemie oder Physik außer Mdme. Curie). Die 1951 gegründeten Tagungen stehen unter dem Patronat mehrerer deutscher Institutionen zur Förderung junger Wissenschaftler, privaten und industriellen Spendern und der Graf- Lennart-Bernadotte-Stiftung und verfolgen auch heute noch das Ziel, Kontakte zwischen Nobelpreisträgern, jungen WissenschaftlerInnen und StudentInnen zu ermöglichen. Infolge der Vermassung der Universitäten und der Aufblähung des gesamten Wissenschaftsbetriebes gibt es heute strengere Auswahlkriterien, um als Student oder Wissenschaftler an diesen Tagungen teilnehmen zu können. Trotz dieser Hürden sind die Tagungen Massenveranstaltungen und haben nicht mehr den intimen Charakter der 50-ger Jahre und auch der Phänotypus des typischen Nobelpreisträgers hat sich gegenüber früher verändert, es fehlen Originale wie Otto Hahn, George de Hevesy, Hermann Staudinger oder Frederick Soddy. Am Programmablauf der Tagungen hat sich nicht viel verändert.

 

Weniger die wissenschaftlichen Vorträge im Lindauer Stadttheater, als die Laureaten selbst und die zahlreichen begleitenden Veranstaltungen haben für uns StudentInnen den Reiz dieser Tagungen ausgemacht. Am meisten schätzten die StudentInnen einen gesellschaftlichen Abend, an dem sie bestimmte Nobelpreisträger auswählen konnten, um mit ihnen beim gemeinsamen Abendessen und ohne formelle Zwänge zu diskutieren. Unsere Innsbrucker Gruppe hatte sich 1955 Professor Frédéric Joliot-Curie (Frankreich 1900-1958), den Schwiegersohn von Mdme. Curie ausgewählt, nicht weil uns sein Fachgebiet besonders interessiert hätte, sondern weil uns bekannt war, dass Joliot-Curie Kommunist war. Im Schatten der damaligen Zeit verstanden wir es ganz einfach nicht, warum ein intelligenter Mensch dieser gesellschaftspolitischen Geisteshaltung so zugetan war, dass er sich öffentlich dazu bekannte. Wir fanden sehr schnell heraus, dass französische Intellektuelle damals viel stärker „links“ ausgerichtet waren, als das zu dieser Zeit in Österreich oder Deutschland der Fall war und dass es sich bei dieser linken Ausrichtung oft weniger um tiefe Überzeugung, als um ein Mitschwimmen mit den Moden des Zeitgeistes handelte, der auch durch den Existenzialismus geprägt war. In Frankreich war u.a. Jean Paul Sartre mit seiner Nähe zur französischen KP (in den Jahren 1952-56) ein bedeutender „Trendsetter“ der auch als Philosoph viele Links-Intellektuelle prägte. Ähnliche Erscheinungen gab es zwanzig Jahre später in vielen Ländern Europas – ganz besonders in Deutschland. Im Gegensatz zu Frankreich hat es in Deutschland eine Abkehr von allzu links geprägten Ideologien nach dem Ungarnaufstand im Jahr 1956 nicht in dem Maße gegeben, wie man es hätte erwarten können, obwohl der Aufstand der Ostdeutschen in Berlin (1953) die westdeutschen Intellektuellen hätte sensibilisieren müssen. In Frankreich wandten sich viele bekannte Wissenschaftler und Künstler nach dem Ungarnaufstand 1956 vom Kommunismus ab.

 

Professor Joliot Curie (1900-1958) hatte, wie wir bald feststellten, keine geistig verankerte Nähe zum Kommunismus und ist uns Studenten jedenfalls als sehr angenehmer Gesprächspartner in Erinnerung geblieben. Ein anderer Tischgast war Professor Hermann Staudinger (Deutschland 1881-1965), der uns über den Wissenschaftsbetrieb seiner Zeit und über seine Forschungen auf dem Gebiet der makromoleklularen Chemie erzählte, ein zu dieser Zeit im Zusammenhang der Kunststoffpolymerisation besonders spannendes Thema, auch wenn die erste Produktion von Synthesekautschuk (BUNA) bereits 1937 von den IG-Farben aufgenommen worden war. Die wissenschaftliche Erforschung der Hochpolymertechnologien ist bis heute nicht abgeschlossen, Nobelpreise wurden 1963 an Karl Ziegler (Deutschland) und Giuglio Natta (Italien) verliehen.

 

Unter den vielen begleitenden Veranstaltungen (ich erinnere mich z.B. an einen Klavierabend mit Wilhelm Kempff) war der Ausflug auf die Insel Mainau ein traditioneller Höhepunkt. Die Tagungsteilnehmer fuhren mit dem Schiff zur Insel Mainau und wurden dort vom „Herrn“ der Insel, Graf Lennart Bernadotte empfangen. Nach einem gemeinsamen Frühstück durchstreifte man in Gruppen die herrliche Insel und kam sowohl bei der Schifffahrt als auch bei den Exkursionen auf der Insel Mainau immer wieder mit Nobelpreisträgern ins Gespräch. Bei einem dieser Spaziergänge lernten wir 1955 zum ersten Mal die Realität ostdeutscher Universitäten kennen. Eine ostdeutsche StudentInnengruppe, die sich in unserer gemeinsamen Jugendherberge stets absonderte und jedem Kontakt auswich, war plötzlich auf der Insel Mainau wie ausgewechselt. Wir erfuhren, dass mehrere ihrer KollegInnen keine ChemiestudentInnen, sondern Politspitzel waren, die einzig und allein darauf achteten, dass es zu keinen näheren Kontakten kam. Hier auf der Mainau hatten die Aufpasser geringere Chancen für ihren Auftrag, weil wir in sehr kleinen Gruppen gingen und eine Totalüberwachung praktisch unmöglich war. Im späteren Berufsleben bestätigten ostdeutsche Kollegen, die noch vor dem Mauerbau (1961) nach Deutschland geflohen waren, dass die für uns 1955 fast unglaublichen Erzählungen der ostdeutschen Gruppe stimmten. Wir, bereits wieder in Freiheit und einem demokratischen Umfeld aufgewachsen, wunderten uns damals, dass in Ostdeutschland politisch geprägte Gesinnung nicht nur Voraussetzung für ein Studium, sondern Marxismus-Vorlesungen ein wesentlich Bestandteil aller Studien (auch bei Naturwissenschaften) bildeten. Darüber hinaus waren für uns die unglaublich schlechten Forschungsvoraussetzungen an ehemals berühmten deutschen Universitäten (Greifswald, Chemnitz u.a.) erschreckend, obwohl damals weder in Deutschland noch in Österreich die universitäre Forschung durch staatliche Forschungsmittel besonders verwöhnt wurde.

 

Von den zahlreichen Nobelpreisträgern, die wir damals kennen lernen durften, erinnere ich mich besonders an Otto Hahn, H. Staudinger, Hans v. Euler-Chelpin, George de Hevesy, A. Butenandt und F. Soddy. Otto Hahn betonte bei vielen Gelegenheiten, dass er kein mathematisches Genie, sondern ein ganz „normaler“ Chemiker sei, der nicht in der Lage wäre, ein einfaches Integral zu lösen. Soddy erschreckte uns in einem Plenarvortrag über „seine“ Lösung des Dreikörperproblems. Wir Studenten und Studentinnen waren anschließend beruhigt, dass auch die anwesenden Nobelpreisträger seinen Vortrag nicht verstanden hatten und es war die Tragik des Alters, dass Soddy sich nach der anschließenden Diskussion zunächst weigerte, das Rednerpult zu verlassen.

 

1966 lernte ich Sir Robert Robinson (1886-1975, Nobelpreisträger für Untersuchungen über Alkaloide, 1947) im Grundlagenforschungsinstitut der Royal Dutch Shell Company in Schloss Birlinghoven kennen. Sir Robinson war zu dieser Zeit Consulter von Royal Dutch Shell und wählte bei seinem Besuch Wissensgebiete aus, die für die Firma besonders wichtig erschienen. Das Grundlageninstitut erlaubte seinen Chemikern 75 % ihrer Forschungsarbeit für eigene Grundlagenforschung und etwa 25 % für firmennahe Themen aufzuwenden. Da der Standort des Institutes damals nicht mehr gesichert war, bat uns der Geschäftsführer, das Verhältnis von Grundlagenforschung zu firmennaher Forschung Sir Robert Robinson gegenüber umgekehrt darzustellen. Das Kommentar von Sir Robinson zu unseren Arbeitsgebieten war: „alles sehr interessante Themen“ – aber man sollte den Prozentsatz für Grundlagenforschung umkehren und auf mindestens 75 % erhöhen dafür die firmennahe Forschung auf 25 % reduzieren!

 

Besondere Erinnerungen verbinden mich mit Max Ferdinand Perutz, Nobelpreisträger für Chemie 1962 für die Aufklärung des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff). Perutz berichtete über seine Entdeckung auch in Innsbruck (1964), wo ich zu dieser Zeit als promovierter Hochschulassistent Vorlesungen über „Spektroskopie“ hielt. Ein zweites Mal hörte ich ihn 1966 bei seinem Vortrag in Schloss Birlinghoven, dem Paradeinstitut der Royal Dutch Shell Group. Als junger Chemiker hatte ich dort immer wieder Gelegenheit, berühmte Wissenschaftler kennen zu lernen, weil Vorträge der Universität Bonn häufig in das schönere Ambiente des ca. 25 Km von Bonn entfernten Schloss Birlinghoven mit seinen modernen Laboratorien mitten auf einem bewaldeten Hügel verlagert wurden. Hier hatte ich auch zum ersten Mal die Gelegenheit zu Gesprächen mit Professor Perutz, weil ich vom Forschungsleiter von Schloss Birlinghoven, der gleichzeitig eine Professur an der Universität Bonn hatte, häufig zu Nachsitzungen nach solchen Vorträgen im kleinen Kreis eingeladen wurde. Wesentlich später (in den 80-iger Jahren) erlebte ich Professor Perutz zweimal bei Vorträgen des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim. Das erste Mal stellte er ein von ihm begleitetes Projekt zur räumlichen Darstellung chemischer Moleküle der Universität Cambridge vor, welches zu einer längeren Zusammenarbeit mit Boehringer Mannheim führte. Die Boehringer Mannheim GmbH erwarb in Lizenz ein Computerprogramm aus Cambridge zur dreidimensionalen Darstellung chemischer Strukturen, was für die Simulation von Rezeptor/ Agonisten- Modellen besonders wichtig war. Die Firma gehörte damit zu den ersten Pharmakonzernen Deutschlands, die das sogenannte „Drug Modelling“ oder „Molecular Design“ für die Entwicklung neuer Pharmaka einsetzten. Im November 1989 hielt Perutz auf Einladung der Boehringer Mannheim GmbH einen Vortrag im Rittersaal des Mannheimer Schlosses, (in welchem u.a. Mozart 200 Jahre früher des öfteren musizierte). Professor Perutz sprach damals nicht über seine eigenen Forschungen, sondern über interessante Betrachtungen über die Wechselwirkungen der Lebenserwartung von Menschen im West-Ost Vergleich und über Unterschiede der Lebenserwartung zwischen „armen und reichen“ Bevölkerungen, auch im historischen Vergleich. Der Vortrag war zu dieser Zeit deswegen besonders aktuell, weil Perutz nachweisen konnte, dass die Lebenserwartung im Westen, trotz Umweltverschmutzung durch die chemische Industrie (die inzwischen trotz wachsender Produktion längst auf ein Minimum reduziert werden konnte), gerade infolge der Errungenschaften der Chemie offenbar erheblich höher ist, als in von der Industrie noch relativ unberührten Gebieten der Erde. Dieser Vortrag blieb mir nicht nur wegen des Versuches, Vorurteile dieser Zeit gegen „die Chemie“ wissenschaftlich auszuräumen in Erinnerung, sondern ganz besonders wegen der Nachsitzung im Anschluss an diesen Vortrag, wo ich mit Prof. Perutz interessante Gespräche führen konnte (vermutlich wurde ich wegen der gemeinsamen österreichischen Herkunft von der Firmenleitung so platziert). Wir sprachen besonders über den modernen Wissenschaftsbetrieb bzw. die Notwendigkeit, Universitäts- und Industrieforschung besser zu vernetzen. Noch während unserer Nachsitzung wurde der Mauerfall in Berlin bekannt, was Prof. Perutz und mich damals mehr interessierte als meine deutschen Gesprächspartner, die die gesamte Tragweite erst in den nächsten Tagen realisierten.

 

Bei Nobelpreisträgern habe ich nie jene Arroganz festgestellt, die in der deutschen Industrie (und vermutlich nicht nur dort) bei vielen Industriemanagern so häufig anzutreffen ist. Die meisten Nobelpreisträger waren angenehme, bescheidene Wissenschaftler, die sich nicht in der Sonne ihrer Nobelpreiswürde sonnten.

 

Betrachtungen zur Vergabe von Nobelpreisen im modernen Wissenschaftsbetrieb

 

Die 1901 zum ersten Mal verliehenen Nobelpreise sollten verdiente Wissenschaftler für überragende Erfindungen bzw. Entdeckungen auszeichnen. Bis etwa 1960 war die Auswahl der Laureaten in den Naturwissenschaften und für die Medizin relativ einfach und für jeden Fachmann nachvollziehbar, bei Literatur- und Friedensnobelpreisen und auch in den Wirtschaftwissenschaften waren (und sind) die Selektionskriterien oft von politischen Motiven oder modischen Umständen geprägt. Zur Ehre des Nobelpreiskomitees muss festgestellt werden, dass die Auswahl auch in diesen Kategorien meist gut getroffen wurde. In den Naturwissenschaften und medizinischen Fachgebieten wurde die Auswahl geeigneter Kandidaten ab etwa 1960 zunehmend problematischer. Der Wissenschaftsbetrieb hatte inzwischen einen derartigen Umfang angenommen, dass herausragende Einzelleistungen selbst Fachleuten oft nicht mehr bekannt waren. Gelegentlich wurden Nobelpreisträger für ihr gesamtes Lebenswerk ausgezeichnet (z.B. Georg Wittig, Nobelpreis für Chemie, 1979), in den letzten Jahren werden die Preise meist unter zwei oder drei Wissenschaftlern geteilt. Diese Vergabepraxis entspricht der Komplexizität des Wissenschaftsbetriebes, weil Einzelleistungen, wie etwa die Entdeckung der Röntgenstrahlung oder der Atomspaltung, immer seltener werden. Diese Komplexizität und die dadurch erforderliche Spezialisierung in den Natur- und Biowissenschaften machen herausragende Entdeckungen als Einzelleistungen in Zukunft unwahrscheinlich, ausgeschlossen sind solche Einzelleistungen jedoch auch in der Zukunft nicht. Es gehört zum Wesen einer Entdeckung, dass sie vorher niemandem bekannt war (dem jungen Max Planck wurde bekanntlich vom Physikstudium abgeraten, weil in dieser Wissenschaft bereits alles entdeckt sei und trotzdem veränderte Planck sehr bald das physikalische Weltbild). Auch wenn nobelpreiswürdige Einzelleistungen heute sicherlich schwieriger zu erbringen sind, schmälert diese Realität jedoch nicht die Leistungen der neuen NobelpreisträgerInnen. Immerhin sollte über die zukünftige Sinnhaftigkeit bzw. den Zweck von Nobelpreisen wieder etwas mehr nachgedacht werden. Auszeichnungen für das gesamte Lebenswerk sind ebenso gerecht, wie die Aufteilung an mehrere Wissenschaftler, weil hervorragende Leistungen in den Naturwissenschaften und im Fach Medizin fast nur noch durch interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich sind. Viele Mitarbeiter, wie z.B. Analytiker, Computer- und andere Fachleute gingen bis zur Verleihung der Preise 2009 überhaupt „leer“ aus, obwohl deren Arbeit die spektakulären Leistungen von Nobelpreisträgern überhaupt erst möglich machen (2009 wurde bekanntlich ein Physiker für bahnbrechende Arbeiten für Glasfaserkoaxialkabel uns lichtempfindliche Microchips ausgezeichnet). Wer denkt im Gegensatz zu früher an die Würdigung von Highlights der industriellen Forschung, die heute vielfach erfolgreicher als die universitäre Forschung ist? Entspräche nicht eine finanzielle Unterstützung von Instituten oder wissenschaftlichen Arbeitskreisen, die an wesentlichen, für die Menschen unserer Zeit nützlichen Aufgaben arbeiten eher der heutigen Realität und der Intention des Gründers der Alfred Nobel Stiftung mehr als die Vergabe an Einzelpersonen?

 

Zu den Nobelpreisen 2009

 

Dazu nur einige Zeilen – in allen Medien wurde ausführlicher darüber berichtet.

Das Komitée zur Auswahl der Nobelpreisträger hat dazu gelernt: Barack Obama den Friedensnobelpreis zu verleihen war einerseits gerecht, andererseits eine politisch wichtige Aufwertung des US Präsidenten, der in den USA gegenwärtig mit den erwarteten Schwierigkeiten kämpft (das deutsche online Nachrichtenmagazin n-tv hielt diese Entscheidung (am 9.10.2009) für eine “Fehlentscheidung” – sie käme zu früh und Obama würde sich daran “verheben”(?). Auch in den USA wurde die Entscheidung, insbesondere von den Republikanern, als falsch bezeichnet. Die Entscheidung des Komitées war trotzdem politisch klug, weil es fast wie eine Mahnung an Länder wie Russland (wo der Stalinkult wieder aufzuflammen droht) und an den Iran, klingt.

 

Den Literaturpreis an Herta Müller (Deutschland, in Rumänien geboren) zu vergeben, wurde von niemandem erwartet. Auch diese Preisverteilung ist bemerkenswert, sie habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit gezeichnet, lautete die Begründung. Wer ein am 8.10.2009 ausgesendetes Interview (OE1, ORF) gehört hatte, kann dem Preisvergabekomitée nur gratulieren – dass Marcel-Reich Ranicki keinen Kommentar dazu geben wollte spricht eher für, als gegen die Preisträgerin.

Die geteilten Nobelpreise in den Fächern Medizin, Chemie und Physik entsprechen den im Beitrag erwähnten Besonderheiten dieser Fächer – die Fachgebiete sind einfach zu komplex geworden und nicht einmal InsiderInnen könnten heute Prognosen wagen. Dass Prof. Dr. Zoller nicht unter den Preisträgern für Physik (Quantencomputer) war, ist für Tiroler zwar schmerzlich, aber Zoller ist noch jung und man erkannte die Tendenz des Komitées, eher Preise für bereits abgeschlossene Arbeiten zu vergeben.

 

 

(5.4.2012, Erstpublikation startblatt.net 11.6.2010) 

 

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