Leitwährungen der Geschichte – von der Tetradrachme bis zum Euro und ein Versuch, die Zukunft des Euro abzuschätzen

 

 

 

Leitwährungen der Geschichte - (c) Alfred Rhomberg

 

Leitwährungen sind Formen des Geldes als Ausdruck von Macht, welche die Wirtschaft großer Länder in großen Regionen der Welt über viele Jahrhunderte bestimmt haben. Da es früher noch kein „Papiergeld“ gab, waren Leitwährungen meist Edelmetallmünzen wie z.B. die antike griechische Tetradrachme, der Thaler und der Dollar (dem zumindest lange Zeit ein definierter Goldwert zugrunde lag). Mit etwas Optimismus könnte unser Euro, den es erst seit 2002 gibt und der seine Funktion als Leitwährung noch beweisen muss, später ebenfalls einmal als solche in die Geschichte eingehen.

 

Allgemeines zu Münzen

 

Die ersten geprägten Münzen stammen vermutlich von den Lydiern (ca. 700 Jahre v. Chr.), die ungefähr das heutige Gebiet der Türkei beherrschten. Natürlich gab es bereits vorher Zahlungsmittel (vermutlich seit ca. 4500 Jahren u.a. in Mesopotamien, allerdings waren das Zahlungsmittel in Steinmünzen, Gold, Silber oder Schmuck oder in Naturalien wie z.B. Vieh, Salz oder Getreide. In der alttestamentlichen Zeit wurde der Geldwert in erster Linie durch Wiegen eines Edelmetalls bestimmt, so z.B. das „Talent“ eine persische Gewichtseinheit, die etwa 36 bis 41 Kg betrug. Vorläufer geprägter Münzen waren Edelmetallstücke (heutigen Silber oder Goldbarren vergleichbar) in die das Gewicht eingraviert wurde. Es ist ferner bekannt, dass die Israeliten erst nach der babylonischen Gefangenschaft (538 v. Chr.) über gemünztes Geld verfügten.

 

Grundsätzlich waren und sind auch heute Edelmetalle oder daraus hergestellte Münzen immer nur den vom Markt bestimmten Preis wert, was diejenigen, welche die 1970 beschlossene Abschaffung des 1948 festgelegten Bretton-Wood Währungssystems(1) bedauern, nachdenklich stimmen sollte. Gold ist keinesfalls der „sichere Hafen“, als der es in unsicheren Zeiten gesehen wird(2).

 

Große Edelmetallstücke wie z.B. ein Talent Gold oder Silber, waren für das Volk unbrauchbar und die Geschichte berichtet daher auch meist nur, wie viele Talente Silber ein Herrscher nach einem verlorenen Krieg an den Sieger zu zahlen hatte. Die logische Weiterentwicklung des Geldes war daher die Schaffung kleinere Einheiten, deren Wert durch die Prägung vom Landesherrn oder Fürsten mit Münzhoheit garantiert wurde. Bald wurde es üblich, Prägemeister und Prägeort in den Münzen mitzuprägen, was die Identifizierung alter Münzen für uns heute erleichtert (bei mittelalterlichen Pfennigen fehlen diese Angaben meist).

 

Die Tetradrachme

 

Die Tetradrachme, also der vierfache Wert einer Drachme, war die bedeutendste Großsilbermünze der griechischen Antike. Tetradrachmen wurden in verschiedenen Formen von 520 v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit geprägt, am bekanntesten sind die Formen deren eine Seite durch die „attische“ Eule bzw. deren Klugheit gekennzeichnet ist. Durch die Eroberungszüge Alexander des Großen verbreiteten sie sich auch über den Orient und selbst das Vordringen des römischen Denars bedeutete nicht das Ende der Tetradrachme. Im ägyptischen Alexandria gab es viele Formen von Tetradrachmen, die als Provinzialmünzen bis ins ausgehende 3. Jh. n.Chr. geprägt wurden, jedoch zuletzt einen sehr hohen Kupferanteil aufwiesen (sogenannte Alexandriner). Bei Tetradrachmen ist eine ungefähre Wertvorstellung durch Literaturstellen belegbar, so bekam ein Handwerker im 4. bis 5. Jh. v.Chr. einen Tageslohn von etwa einer Drachme, der Wert eines Opferstieres wird mit 10 Drachmen und der Preis für einen Scheffel Getreide mit einer Drachme angegeben, wobei leider das Maß eines Scheffels nicht erklärt wird, das je nach Zeitepoche, eine gewaltige Schwankungsbreite von 0,2 bis 2 Hektoliter (1Hl=100 Liter) hatte. In typischen Agrargesellschaften war der Geldbedarf für den täglichen Bedarf der Bevölkerung sehr gering, weil die Lebensmittelpreise billig waren.

 

Der Thaler (Taler)

 

Über die Geschichte des Thalers, der seit etwa 1500 seinen Namen wegen der großen Silberfunde in Joachimsthal (Böhmen) erhielt, wurde anderen Beiträgen über Münzen bereits berichtet. Anzufügen ist nur der Grund, warum gerade der *Maria Theresientaler* eine so herausragende Rolle als Leitwährung bis ins 20. Jahrhundert behielt.

 

Der Maria Theresientaler änderte sein Aussehen während der Regierungszeit von Maria Theresia häufig, ihr Abbild wurde mehrfach ihrem jeweiligen Aussehen angepasst. Nach 1765 (dem Tod ihres Mannes Franz I Stephan von Lothringen) und bei den Neuprägungen nach ihrem Tode 1780 sind alle Maria Theresientaler mit dem Bildnis der Kaiserin im Trauerschleier abgebildet. Inzwischen hatte die Münze einen derartigen Bekanntheitsgrad außerhalb Österreichs erhalten, dass sie in weiten Bereichen des benachbarten Osten und in afrikanischen Ländern entweder Hauptwährung war oder zumindest als beliebte Parallelwährung galt (in Abessinien war der Theresientaler noch bis 1944 die einzige Währung). Die Prägeorte waren: Hall (Tirol), Günzburg, Wien, Kremnitz, Prag, Mailand u.a. Zur Zeit der Kolonialisierung der arabischen und nordafrikanischen Staaten hatten die neuen Kolonialherren Schwierigkeiten mit ihren eigenen Währungen, weil diese von der Bevölkerung der Kolonialstaaten nicht akzeptiert wurden. Im Einverständnis mit Österreich wurden von den Briten Theresientaler mit dem Prägestempel von 1780 in Birmingham, Bombay, Brüssel und London neu geprägt. Diese Taler sind heute als sogenannte Levantetaler bekannt und im Münzhandel deutlich billiger als die Maria Theresientaler aus der Zeit vor dem Tod der Kaiserin. Alle diese Neuprägungen tragen die Gravur SF, die Abkürzung der beiden berühmten Münzmeister Schöbl und Faby in Günzburg.

 

(Ein Kaufkraftvergleich kann dem Beitrag „Münzen – „Leitfossilien“ soziologischer und ökonomischer Entwicklungen entnommen werden).

 

Der Dollar

 

Der Name Dollar leitet sich vom europäischen Taler ab, der um 1700 die wichtigste europäische Münze war. In Amerika wurden zunächst unterschiedliche Geldformen benützt, bis 1787 in den USA die erste eigene Münze, eine Cent-Münze geprägt wurde. Weitere Münzen folgten: Vierteldollar, Halbdollar, Dollar und Dimes (Zehnteldollar). Diese Münzen waren aus Kupfer und Silber. Die höherwertigen “Eagles” (10 Dollar), Halb-Eagles und Viertel-Eagles bestanden aus Gold. Zunächst gab es eine Golddeckung des Dollars, seit 1933 wurde der Dollar nur noch im im kommerziellen zwischenstaatlichen Handel durch Gold gedeckt, Gold im privaten Besitz für einige Zeit sogar verboten und die privaten Eagle Münzen eingezogen. Heutige Eagle Münzen sind moderne Nachprägungen, so wie es auch z.B. bei uns in Österreich die goldenen „Philharmoniker“ mit einem Goldgehalt einer Unze (31,1 g) gibt. Die Garantie der Golddeckung des Dollars im zwischenstaatlichen Handel wurde 1944 durch das Bretton-Wood Abkommen nochmals garantiert, 1969 von den europäischen Notenbanken im Einverständnis mit den USA jedoch wieder aufgehoben.

 

Der Dollar wird aufgrund der wirtschaftlichen Macht der USA auch in seiner derzeit geschwächten Form eine Leitwährung bleiben.

 

Der Euro – eine neue Leitwährung?

 

Da der Euro vor seiner Einführung am 1. Januar 2002 sich bereits als Recheneinheit „ECU“ innerhalb der EU bewährt hatte (ECU=European Currency Unit – die Bezeichnung leitet sich nicht von der früheren französischen Münze „Ecu“ ab), wurden keine Schwierigkeiten bei der physischen Einführung dieser Währung gesehen, obwohl selbst der Wirtschaftnobelpreisträger Milton Friedman dem Euro kurz vor Einführung keine Zukunft gab. Tatsächlich gab es auch keine Schwierigkeiten, außer dass ein Teil der älteren Bevölkerung Deutschlands und Österreichs die neue Währung noch heute nicht wirklich akzeptiert. Manche Menschen verhalten sich damit unflexibler als die Bevölkerung in Österreich-Ungarn (1892), als es bei der Umstellung vom Gulden zur Krone (1 Gulden wurde zu 2 Kronen) offenbar keine Schwierigkeiten bei der Umstellung gab. Ursache für die Unzufriedenheit ist in Deutschland die Trauer um die „starke DM“ bzw. in Österreich über den starken Schilling, der allerdings erst nach Festsetzung einer Parität von sieben ATS zu einer DM zur „starken“ Währung wurde.

 

Inzwischen hat der Euro seine Stärke bewiesen, zuerst allerdings weitgehend durch die Schwäche des Dollars bedingt. Wie sieht die Zukunft des Euro aus?

 

Versuche einer Prognose

 

So wie sich die Wirtschaftsunion der EU bis jetzt bewährt hat, wird sich auch der Euro weiter bewähren, eine äußere Stärkung würde er dadurch erfahren, wenn Rohstoffe wie Gold oder Erdöl, die bisher in Dollar fakturiert werden, zukünftig auch in Euro fakturiert und gehandelt würden. Wirklich notwendig ist das jedoch nicht, weil dadurch die weiterhin wahrscheinliche Rohstoffverknappung nicht berührt würde – lediglich ein objektiverer Wirtschaftsvergleich zwischen den USA und der EU wäre dadurch gegeben.

 

Auch wenn einige EU-Länder den Euro bisher nicht eingeführt haben (einige Nicht-Eu Länder haben ihn bekanntlich eingeführt oder ihre Landeswährung an den Euro gebunden), so ergäben sich allenfalls Probleme im Falle eines Austritts von EU-Ländern aus der EU, was bisher nicht vorgesehen war, in Zukunft jedoch immerhin theoretisch möglich wäre. Selbst in diesem Fall würden solche Länder kaum auf ihre ursprünglichen Währungen zurückgreifen, sofern sie den Euro eingeführt hatten, weil das ihr sicherer wirtschaftlicher Ruin wäre. Sollte jedoch die gesamte EU einmal auseinanderfallen, so wäre dies eine nicht zu beschreibende Katastrophe für ein Europa mit 500 Millionen Einwohnern. Europa hätte in diesem - eher unwahrscheinlichen Fall - keine Chancen mehr gegen bereits bestehende bzw. zukünftige Machtblöcke.

 

Dem Euro als zukünftiger Leitwährung steht nach menschlichem Ermessen nichts im Wege – der derzeitigen Euro-Schwäche muss die anfängliche Überbewertung gegenüber dem Dollar entgegengehalten werden. Beide Währungen kämpfen derzeit mit Verschuldungsproblemen – eine Rückkehr zu einzelnen ehemaligen Landeswährungen in Europa ändert nichts an der Schuldenproblematik – wohl aber der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Asien, wobei eine innovative und produktive Wirtschaft ebenso gefragt ist, wie die Abkehr von überzogenem Anspruchsdenken

 

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(1) Im Bretton-Wood Währungssystem wurde u.a. festgelegt, dass 35 Dollar einer Goldunze (31,1 Gramm) entsprechen und Amerika sich verpflichte, Gold immer zu diesem Preis zurückzukaufen.

 

(2) Wenn in Krisenzeiten der Goldwert steigt, so ist das eine typische Reaktion verunsicherter Sparer. Diese dürfen sich nicht wundern, wenn der Goldpreis dann plötzlich schnell wieder verfällt, wenn die Märkte wieder Zuversicht ausstrahlen. Auch in lebensbedrohlichen Krisen ist Gold keine optimale Wertsicherung. Als es in den ersten Krisenwochen nach dem 2. Weltkrieg keine Nahrungsmittel für die hungernde Bevölkerung gab, tauschten Bauern nur sehr wenig Brot und Butter im Tausch gegen wertvolle Edelmetallgegenstände ein. Eine Anlage in Gold ist nur sinnvoll, wenn unabhängig vom Auf-und Ab der Wirtschaft kontinuierlich kleine Goldmengen gekauft werden.

 

 

(2008)

 

 

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