ESKALATION – und neue Formen, damit umzugehen

Wir alle haben das Gefühl, dass wir in einer Zeit der Eskalationen in der Politik aber auch im täglichen Umgang miteinander leben. 100 Jahre Weltgeschichte, besonders in Europa, werden gerade jetzt im Jahr 2018 häufig zitiert, um Ähnlichkeiten aufzuzeigen. Solche Vergleiche sind deswegen nicht immer hilfreich, weil sich unsere Zeit weiterentwickelt hat und Lösungen aus der Vergangenheit deswegen veraltet sind.

Konflikte gibt es tatsächlich genug und da Konflikte normalerweise eskalieren, sich also stufenweise vergrößern, würde sich das in der Real- und in der Finanzwirtschaft übliche „Konfliktmanagement“ anbieten, um die vielen Konflikte zu lösen. Das ist aus zwei Gründen kaum möglich:

1). Wir wissen - zumindest in den EU-Staaten - nicht, auf welcher Stufe der Eskalationsskala sich die einzelnen Länder befinden. Auch wenn sich Italien derzeit auf einer sehr gefährlichen Stufe dieser Skala befindet, wird die EU ähnlich wie im Falle von Spanien und Griechenland, aus eigenem Interesse Hilfestellung leisten.

2). Dieses „eigene“ Interesse der EU ist der zweite Grund, warum sich unsere derzeitige Situation nicht mit der Vergangenheit vergleichen lässt: Die EU und damit alle in der EU befindlichen Staaten sind so fest mit den großen Industrienationen wirtschaftlich verknüpft, dass „alle von allen“ abhängig sind. Das gilt sogar für das wirtschaftlich gefestigte Großbritannien, was bekanntlich die BREXIT-Austrittsverhandlungen so mühsam macht. Mehr noch gilt dies derzeit für Italien und auch für das Orbán-Ungarn, welches trotz aller nach innen gestreuter Propaganda durch Orbán in Wahrheit bitter arm und wie die anderen Visegrád-Staaten auf die jährlichen Zuwendungen der EU angewiesen ist.

Beim sogenannten Konfliktmanagement treffen oft unvereinbare Handlungstendenzen aufeinander – im schlimmsten Fall ließe sich eine totale Konfrontation nicht vermeiden und es gäbe keine Rückzugmöglichkeiten mehr. Daran sind jedoch auch die größten Wirtschaftsblöcke (USA, China, Russland, Brasilien, Nordkorea) nicht interessiert, obwohl es in den meisten dieser Blöcke gleichfalls zu einer Eskalation in Form von unterschiedlichen, oft unversöhnlichen Meinungen einzelner BürgerInnen gekommen ist und weiterhin kommen wird.

Das Ergebnis der midterms Wahlen in den USA sind ein typisches Beispiel dafür, dass die Polarisierung der Bevölkerung überall ein Produkt mediengesteuerter Meinungen und mangelnder Bildung ist. Wir werden also lernen müssen, mit dieser neuen historischen Eskalations-Erfahrung umzugehen, umso mehr, als es heute keine Weltwirtschaftskrise im Sinne des Oktobercrashs 1929 und deutlich weniger Nationalismen gibt.

FACIT: Die Zukunft zur Bewältigung von Krisen besteht heute eher daher aus gesteuerten Sanktionen und Gegensanktionen – und in der Fähigkeit politischer Systeme (sprich Politiker und Politikerinnen), diese nicht zu übertreiben.

(7.11.2018)

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