Das Zerbrechen des sozialen und politischen Gefüges

 

Es ist nun schon zwei Monate her, dass ein „Igler Kommentar“ hier veröffentlicht wurde. Der Grund dafür sind die gewaltigen Zwistigkeiten zwischen und innerhalb aller Parteien -  nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern in allen Ländern mit demokratischen oder pseudodemokratischen Strukturen. Der Kommentator nimmt bekanntlich bewusst nicht zu tagespolitischen Ereignissen Stellung, sondern versucht, bereichsübergreifende Sichten zu vermitteln.

 

Die Gründe für die sozialen und politischen Verwerfungen liegen auf der Hand:

  • In den meisten Ländern haben Wahlen stattgefunden, wobei die Wahlergebnisse oft eindeutige Koalitionen bzw. Regierungsbildungen kaum zulassen.
  • In anderen wichtigen Industrienationen stehen Wahlen oder Referenden/ Volksabstimmungen an (USA, Großbritannien, Spanien, Italien, Israel etc.)
  • Weiters gibt es viele halbdiktatorische oder ökonomisch unterentwickelte Länder (postkommunistische Länder, und in Afrika, Südamerika und Asien), in denen die Bevölkerungen so arm sind, dass der Zorn ständig wächst. Ihre Regierungen sind korrupt und notwendige Maßnahmen zur Verbesserung wirtschaftlicher Infrastrukturen bleiben daher auf der Strecke.
  • Und dann gibt es leider auch wirtschaftlich saturierte Länder, in denen große Teile der Bevölkerung durch den wachsenden Konsumzwang immer verwöhnter werden und der Neid der weniger Begüterten deshalb wächst – oft gibt es in diesen Ländern korrupte PolitikerInnen, was den Neid und die Politikverdrossenheit zusätzlich schürt.
  • Demonstrationen gab es auch früher, heute wird gegen bzw. für „alles und jedes“ demonstriert. Demonstrationen sind ein legitimes Mittel der Meinungsfreiheit – nicht legitim sind gewalttätige Ausschreitungen, die dann meist zu Zusammenstößen mit Andersdenkenden und der Polizei führen.

 

War das früher besser? -  Nein!

 

Wir leben in den Industrieländern seit Jahrzehnten in einer, geschichtlich betrachtet, relativ „friedlichen“ Zeit, was sich leider sehr schnell ändern kann. Ältere Menschen, welche die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit noch erlebt haben, wissen das aus eigener Erfahrung, die Jugend kennt diese Zeit jedoch nur aus Erzählungen, d.h. „aus zweiter Hand“ - die beiden Weltkriege sind ihnen nicht greifbarer bewusst als beispielsweise die napoleonischen Kriege und die derzeit in Nordafrika tobenden Kriege. Trotz ständiger medialer Berichterstattung (oder vielleicht gerade deswegen) ist das alles „weit weg“, weil das Interesse der Jugend in der Gegenwart ihrer behüteten, konsumorientierten Heimatsländer verankert ist. Im Gegensatz  dazu  wussten die meisten Menschen in früheren Zeiten nicht, was sich außerhalb (aber auch innerhalb) ihres näheren Lebensbereiches abspielte, sonst hätte es weder den Ersten Weltkrieg noch ein Nazi-Deutschland bzw den Zweiten Weltkrieg gegeben.

 

Welche Gefahren bestehen heute?

 

Die Erforschung und Realisation technischer Errungenschaften (Computer, Smartphon und Robotics) geht immer schneller voran, das Nachdenken darüber oder gar „kontemplatives“ Denken kommen dabei zu kurz. Schul- und Berufsausbildungen streben einen möglichst schnellen Einsatz im Berufsleben an - als Ausgleich suchen sich viele Schulabgänger dann Befriedigung bei Dingen, die medial angeboten werden, wobei das Smartphon eine wesentliche Rolle spielt. Wie bei allen technischen Errungenschaften ist jedoch nicht „das Smartphon“ an dieser Entwicklung schuld, sondern wie man damit umgeht. Durch das Smartphon wird insbesondere die Lesefähigkeit verdrängt, obwohl das Lesen nach wie vor zu den wichtigsten Mitteln gehört, Bildung zu erweitern und die Sprachfähigkeit zu verbessern.

 

FACIT: Es wird nicht beim Smartphon bleiben – in der industriellen Entwicklung kann niemand voraussehen, was die Zukunft bringt.

 

Wie wir uns auf diese Zukunft einstellen sollten, ist aus dem Inhalt dieses Kommentars weitgehend ablesbar. Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen muss eine bessere Schulpolitik sein, in welcher sowohl das Lesen, als auch die gedankliche Aufarbeitung in Fächern wie Geschichte, Geografie und Naturwissenschaften einen höheren Stellenwert erhalten.

 

(03.12. 2019)

Der Ordner „Igler Kommentare“ enthält Texte mit mehr als 140 Zeichen (also mehr als bei Twitter), jedoch Kurzkommentare In welchen Augenblicksthemen in übergreifender Form kommentiert (oder karikiert) werden. Die Kommentare bleiben nicht im Content, sondern werden je nach Bedarf ausgewechselt und stehen zum Teil in "Archive" zur Verfügung, sofern sie inhaltlich über das Tagesgeschehen hinausgehen.

 

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